Täh - täh - tätätä klingt das Piston aus einem Tanzlokal am Bahnhof. Ein Ritter in einer blanken Messingrüstung geht durch das Marktgewimmel - so ungefähr klingt es. Er überragt alle um Haupteslänge, er schreitet gemessen, stromm im Takt, zieht manchmal sein Schwert und schlägt anmutig damit eine Terz oder eine Quart in die Luft.
Dieses Piston ist das Rückgrat der Tanzmusik. Ihm ist kein Widerstand zu leisten. Es faßt die Paare und hängt sie an die Stahldrähte seines Rhythmus und schlenkert sie herum, daß sie nicht anders können. Es ist stark und anmutig zugleich. Es kann schmeicheln und aufstacheln. Seine halben Töne sind wie schmachtende Augenausschläge, seine Läufe sind wie funkelnde Himmelsleitern. Es swingt und trägt den ganzen Saal, es ist die Welle, auf der die Paare sich schaukeln.
Wir gehen draußen vorbei und hören das Piston blasen, sein Ton verfolgt uns straßenlang. Wir denken nur: Sonntagsnachmittagsdienstmädchenwonne. Die Huldinnen stehen mit hochroten Gesichtern an der Tür und fächeln sich mit weißen Taschentüchern Kühlung zu. Der Schatz steht daneben und zeigt, daß er es besser verträgt. Er hat entenfußgelbe Schuhe und einen schwarzen Anzug an. Die Röhren seiner Beinkleider wersen über dem Fuß martialische Falten, und aus der Rockbrusttasche schaut dreieckig der Zipfel eines grasgrünen oder veilchenblauen Taschentuches. Womöglich Seide. Sie stehen und ihre Seelen fliegen den Pistontönen nach, wie Blätter im Wind.
Täh - täh - tätätä .....
Ich muß auf einmal an den Mann mit dem Piston denken. Ich weiß nicht genau, wie ich ihn mir vorstellen soll. Aber ein Pistonbläser ist in der Regel ein schöner Mann. Er geht in der Musik auf dem rechten Flügel mit vorgewölbtem Brustkasten und schmettert seine Weisen aus dem schräg in die Höhe gerichteten Instrument nach den Fenstern hinauf, von wo ihn verliebte Blicke verfolgen. Er ist der ewige Trompeter von Säkkingen. Sein Traum ist, beim @asen sein Horn mit nur einer Hand zu fingern, wie @ berühmte Dirigenten tun, die rechts fingern und @ks Takt schlagen. Ich hatte es als Pennäler im @stonblasen bis zu virtuoser Einhändigkeit gebracht. @enn es mich traf, daß ich interimistisch dirigieren @ßte, blies ich aus der einen Hand tapfer drauf los, @s eine schwierige Stelle kam. Alsdann nahm ich das @strument vom Mund und schlug energisch Takt, bis @ wieder leichter wurde.
Aus jener Zeit schreibt sich meine Vorliebe für die @le Pistonbläserei. Alle Pistonbläfer, die ich kannte, @aren, wie man hier sagt, flotte Kerle. Darum stelle @ mir den Pistonbläser aus dem Tanzsaal am Bahn@of ebenfalls als solchen vor. Und ich denke an ihn, @ie er da jahrsaus jahrein auf seinem Podium sitzt @nd an den funkelnden Ketten seiner Töne die Tanz@aare umherschwenkt. Er muß jahraus jahrein zu@hen, wie sich die da unten Wange an Wange um@nander drehen, wie sie mit ausgestreckten Armen im @reiseln langsame Pumpbewegungen machen, wie sie meinander verschmelzen, wie manche schon den Schiebetanz in den Wiener Walzer und den Rheinländer mischen, wie die Liebe und die Eifersucht durch die Reihen gehen und mit diesen schlichten Seelen Hampelmann spielen - das alles sieht der Pistonschläser und denkt: „Komische Welt! Wenn sie dafür bezahlt würden, wäre der Saal leer. Warum gehen die jungen Leute nicht lieber selbander über Land spazieren? Das tut die Musik, die alte Kupplerin, die mit dem Genius der Gattung unter einer Decke spielt. Fast möchte man sich schämen, mit seinen Lungen und seinen vier Fingern dem Paar Handlangerdienste zu leisten .... Jawohl, ein Walzer extra .... Kellner, ein Bier!