Original

13. Februar 1920

Ich will von den luxemburger Rosen reden.

Wir verdanken ihnen eine Berühmtheit, auf die wir stolz sein dürfen. Sie ist poetisch, sie ist wohlriechend, sie ist diskret aber überseeisch und universell. In den Gärten der millionenschweren Plantagenbesitzer Nordamerikas blühen Rosenstöcke die als Wildlinge in unsern Wäldern gewachsen und auf unserm Limpertsberg okuliert sind.

Kürzlich, nach der Aufführung der „Aventurière“, sagte mir Herr Duflos beim Abschied. er müsse unbedingt noch seinen Rosenlieferanten besuchen, der ihm schon seit langen Jahren seinen Garten mit wundervollen luxemburger Rosen bestelle. Gestern abend erzählte mir ein Freund er habe einmal im Stadtpark von Karlsruh voller Bewunderung vor den herrlichen Rosenbeeten gestanden. Als er einen Aufseher nach der Herkunft fragte, nannte ihm dieser wiederum einen luxemburger Rosengärtner. Unser Limpertsberg - man sollte ihn Monte Nosa nennen - ist in der weiten Welt berühmter, als das ganze Land, trotz seinen jüngsten Revolutionen und Putschen.

Aber, sagte gestern mein Freund, nemo propheta in patria, selbst unsere Rosen bringen es nicht fertig, in ihrer Heimat anerkannt zu werden, wie sie es verdienen. In Frankreich heißen wir in weitesten Kreisen «Le pays des roses», und wenn ein Fremder hier landet, kann er vom Bahnhof bis zum letzten Kloster auf Limpertsberg gehen, ohne zu merken, daß er im Lande der Rosen ist. Am allerwenigsten nach dem Duft zu schließen. Er sicht im Stadtpark die zierlichen Blumenteppiche und die originellen Beete, die Herr Winand@ jedes Jahr seinen Bewunderern neu dichtet, aber er sieht im ganzen Park, weiß Gott, keine einzige Rose. Oder doch? Ich erinnere mich nicht, im Park je Rosen gesehen zu haben. Ich weiß, Sie können mir beweisen, daß in dem und dem Jahr da und da ein Rosenbeet gestanden hat, ich sage trotzdem, es sind keine Rosen in unserm Park. Denn hier, gerade hier, müßte der Park von Rosen so überfließen, daß Schiras ein Kasernenhof dagegen wäre.

Ich erinnere mich - war es 1905 in Lüttich, oder 1910 in Brüssel - daß unsere Züchter sich einträchtiglich in ein großes Feld geteilt hatten, auf dem sie ihre Rosenkinder zeigen konnten. Oder war es 1900 in Paris? Da standen sie denn zu Tausenden und Abertausenden und blühten und blusteten und dufteten die Tage und Nächte voll und erfreuten die Sinne der Millionen, die daran vorbeigingen. Und machten uns als Rosenland immer berühmter.

Ja, da draußen dürfen sie sich zeigen. Warum nicht hier? Warum ist unser Stadtpark nicht mit Rosen überschwemmt. damit jeder, der auf hundert Schritte daran vorbeigeht, mit zitternden Rüstern den Duft einsaugt und sagt: Aha, Rosenland, Rosenstadt!

Herr Bürgermeister, tun Sie etwas für unser Rosenrenommee, geben Sie jedem unserer Rosenzüchter auf, für einen Teil seiner Gemeindeauflagen einen Teil des Stadtparkes mit Rosen zu bepflanzen. Wir wollen in Rosen schwimmen!

Jetzt kommt bald auch die Zeit, wo in dem verwüsteten Frankreich die toten Gärten wieder lebendig werden. Die Kettenhändler in französischen Sympathien haben es einem in der letzten Zeit einigermaßen verleidet, von unserer Liebe zu Frankreich zu reden, aber wenn von französischen Garten und luxemburger Rosen die Rede ist, kann ich mich nicht enthalten, zu sagen, soviele luxemburger Rosen in französischen Gärten immer geblüht haben, soviele französische Rosen haben immer in luxemburger Herzen geblüht. Das wird auch in Zukunft so bleiben, trotz mannigfacher Verwüstung hüben und drüben.

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    Katalognummer BW-AK-008-1601