Alljährlich, wenn die Geranien um den Sims am Warenhaus Knopf am leidenschaftlichsten glühen, wenn die ersten Frühbirnen auf den Hürden und in den Körben der Höckerfrauen ausliegen, und das Gemüse auf dem Markt am eindringlichsten duftet, ist die Zeit, wo die Schulferien beginnen.
Jeder von uns hat von seinen Schuljahren her die Stimmung im Blut, die diese Zeit auslöst. Wir können uns nicht denken - zumal die, die draußen aufgwachsen sind - daß in dieser Zeit der einsetzenden großen Reife der Mensch nicht frei sein soll, um das Erntefest mitzubegehen, zu dem sich die Tage und Wochen aneinander reihen. Es ist ja gut und menschlich, daß anderswo die Ferien in die Sommergluthitze verlegt werden. Die Pädagogen tun es aus Rücksicht auf die studierende Jugend, der sie nicht zumuten wollen, unter dem Bleidruck der Julitemperatur über den Büchern zu schwitzen. Allen Respekt vor den Pädagogen, aber ich erinnere mich aus meinen Pennälerjahren, daß es sich bei der größten Hitze sehr gut studieren ließ, und ich bin überzeugt, daß es die studierende Jugend viel drückender empfände, wenn man in die Schulsäle pferchte, während draußen Pflaumen, Äpfel, Birnen, Zwetschgen, Trauben und Haselnüsse reifen.
Und ich sehe gar nicht ein, warum ich noch lang und breit über die Ferien salbadern soll, während die Freiheit lacht. Es gibt für uns Städter keine bessere Art, den ersten Satz in die Ferien hineinzutun, als eben einen Gang über den Markt, wo der Segen der Reife, von dem ich sprach, zusammenströmt, Blumen und Obst und all das leckere Grün, das die Gärten tragen. Nichts flößt Dir solche Sehnsucht in die Ferne ein, wie dieser Duft und dieser Anblick.
Also bis später, liebe Leserin und lieber Leser, so ungern ich mich von Dir trenne - ich halt’s nicht mehr aus. Ich will einmal etwas anderes riechen, als Papier, und etwas anderes hören, als Reden über die Einkommensteuer und das Enregistrement und Katzbalgereien über Artikel soundsoviel.
Und treffen wir uns irgendwo da draußen auf einer Landstraße, so setzen wir uns zusammen vor die nächste Schenke und trinken einen Schoppen zusammen oder zwei und freuen uns, daß wir ein paar Wochen lang uns nicht aneinander zu vergiften brauchen.