Es passiert mir ziemlich oft, daß jemand mir „einen Stoff zu einem Abreißkalender“ schickt. Manchmal ist es ein Stoff, manchmal ist es keiner. Darum möchte ich heute eine kleine Geschichte erzählen. Das heißt, ich erzähle sie nicht selber, es ist mein Kollege Roda Roda, der sie in einem köstlichen Bändchen von kleinen Humoresken „Die verfolgte Unschuld“ zum besten gibt. Und auch er scheint das Empfinden zu haben, daß er damit irgendwie irgendwem eine Unliebenswürdigkeit sagen könnte, darum behauptet er, sie sei nicht ihm, sondern seinem Kollegen Rößler passiert.
Hier ist die Geschichte. (Sagen Sie es nicht weiter, sonst will der Verleger Nachdruckhonorar von mir herausschlagen.)
„Zu meinem Freund Rößler kam eines Tages ein Mann und sprach:
„Herr von Rößler - gel? - Sö schreiben Lustspiele? Alsdann da hätt i Eahna an Idöö für a Lustspiel. Erschter Akt a Stammtisch mit Herren - a Bayer; a Weaner; a Sachs; a Heß; a Preiß: Ein Witz; Eine Laune; Eine Komik nach der andern. Zweiter Akt a Kaffeegesellschaft - die Gemahlinnen von dene Herren: Ein Humor; ein Scherz; Schlager folgt auf Schlager ...“
„Und der dritte Akt?“ fragte Rößler.
„Alles ich, Herr Rößler: Etwas könnten S’ doch aa selber derzu dichten.““