Es gibt Ausdrücke, die so deutlich und greifbar malen, wie Stift und Pinsel.
Gestern hörte ich einen. Kein Wunder, daß er malt, denn ein Maler hat ihn gefunden, ein wirklicher Maler.
Der Ausdruck heißt: Krunnemeck.
Wissen Sie, was eine Krunnemeck, eine Kranenmücke ist?
Ich kann meine Erklärung nicht besser beginnen, als mit dem alten Lied: „Der liebste Buhle, den i han, - Der liegt beim Wirt im Keller. - Er hat ein holzen Röcklin an - Und heißt der Muskateller.“
Nun braucht es nicht grade Muskateller zu sein, ein guter Mosel tut’s auch. Er liegt drunten in der Kellerkühle in seinem Daubenkleid, und von Zeit zu Zeit dreht der Wirt den Kranen, dessen Öffnung von dem ausströmenden Raß immer ein wenig tröpfelt. Da kommen dann die Kranenmücken und setzen sich Flüglein an Flüglein rund um die Kranenmündung und tauchen ihre Rüsselchen in das Raß und saugen sich mählich voll.
Das sind die Krunnemecken. Sie finden sich nur ein, wenn der Wein gut ist. Manchmal passiert im Leben der Krunnemecken eine epochale Katastrophe. Wenn es eine Krunnemecken-Bibel gäbe, stünde die Katastrophe darin als Sintflut verzeichnet. Dann hat nämlich der Wirt wieder einmal den Kranen gedreht und die ausströmende Flut hat einen Teil der Mücken fortgerissen, in eine Welt, die von ihrer bisherigen Welt durch Billionen von Kranenmückenmeilen geschieden ist und von dannen es keine Wiederkehr gibt. Oben auf dem tiefgoldigen Rund, den der frischgezapfte Wein im Dreischoppenkrug bildet, schwimmen als Opfer der Sintflut die mit fortgerissenen Mückchen und trinken ihren letzten Trunk aus dem Vollen, ehe der Gast sie mit einem umgekehrten Streichholz herausfischt. Aber niemand sagt pfui! über die Krunnemecken, sie werden als wohlberechtigte Mitzecher angesehen, ja, Kenner freuen sich über ihr Erscheinen, weil es auf einen guten Tropfen schließen läßt.
Das sind die wirklichen Krunnemecken. Mein Freund Franz aber hat den Namen auf die Sorte von Stammtischlern übertragen, die mit den Krunnemecken die Vorliebe für den guten und echten Trunk gemein haben. Auch sie wissen, wo die reine Quelle fleußt, sie kommen und setzen sich um den runden Stammtisch, wie die Mücken um den Kranenmund, und saugen sich gemütlich und behäbig voll. Die Krunnemecken wissen sehr gut, daß beim Funny in Echternach der rosarote Mindener eine Gabe Gottes ist, daß beim @ in der Bomesgaaß der Bredi- musser, den er als Wormeldinger verzapft, mit zu dem Besten gehört, was zwischen Schengen und Wasserbillig wächst, daß beim @ an der Merler Straßenkreuzung kein schlechter auf den Tisch kommt. Und so gibt es in Stadt und Land unzählige solche Stammtische, um die sich, wie um eine feuchte Kranenöffnung, die Krunnemecken täglich sammeln, um in Ruhe ihr Quantum zu schlürfen.
Sie sind in keiner schlechten Gesellschaft. Schon das Altertum kannte Krunnemecken, die nicht die Geringsten ihrer Zeit waren. Dabei sehe ich von dem alten Noe ganz ab. Aber von @ und @ bis @ und @ und in unsere Tage hinein reißt die Reihe der Krunnemecken nicht ab.
Und glücklich die Zeit, in der die Größten und Besten zu den Krunnemecken gehören. Die @ @ die irischen Sinnfeiner, all die fatalen Geister, deren Beruf in der Beunruhigung der Menschheit liegt, haben ganz sicher kein Talent zum Krunnemeckentum.