Die Escher Kirmes ist nicht von Johann dem Blinden gestiftet. Trotzdem, oder vielleicht grade deshalb hat sie vor der Luxemburger Kirmes manches voraus.
Das Originelle, man möchte sagen das Ideale an ihr ist, daß sie gewissermaßen doppelläufig ist. Trifft der eine Lauf nicht, so trifft der andere. Hat sich einer auf dem Stadthaus- und dem Norbert Metz-Platz nicht ausgetobt, so geht er zum Brill. Es sind zwei Glanzpunkte, zwischen deuen die Kirmesgäste hin- und hergezogen werden, wie Eisenfeilspäne zwischen zwei Magneten. Hat einer im Brill den Genuß ausgekostet, den die Autobahn gewährt, hat er lang genug in der Illusion geschwärmt, daß er zu den besten Rennfahrern der beiden Hemisphären gehört, so kann er auf dem Norbert Metz-Platz seine Boulimie de l’espace, seinen Heißhunger nach Raumbesiegung in noch schnellerem Tempo stillen, indem er sich mit seinem Schatz auf die Berg- und Talbahn setzt und im Wahne lebt, er sei auf Hochzeitsreise in St. Moritz und fahre mit Ihr den Sieg in einem internationalen BobsleighRennen heim.
Die Escher Zwillingskirmes ist einzig in ihrer Art. Aber wenn die Escher eine Zwillingskirmes haben, so könnten wir in Luxemburg leicht eine Drillings-, ja sogar eine Vierlings- und Fünflingskirmes verwirklichen. Es ist gar nicht einzusehen, warum sich von St. Bartholomäi ab drei Wochen lang das Kirmesleben vor den Toren zusammendrängt. Expansion! meine Herren. Und Dezentralisation! Laßt unsere Schobermeßkeimzelle den Weg alles Lebens gehen, laßt sie sich spalten. Richtet auch eine Kirmes auf dem Wilhelmsplatz ein, eine andere auf dem Theaterplatz, noch eine auf dem Paradeplatz, auf dem Konstitutionsplatz, auf dem Fischmarkt, im Bahnhofviertel. Verstreut die Kirmes über das ganze Stadtgebiet, damit von einem Viertel zum andern hinüber das Leben pulsiere.
Und sagt nicht, daß die eine dieser Teilkirmessen der andern schaden wird. Im Gegenteil, sie werden sich gegenseitig anfeuern und gegenseitig mit Leben durchdringen. Hat einer die eine dieser Kirmessen ausgekostet, so wird ihm der Gedanke unerträglich sein, heimzufahren, ohne auch die andern gesehen zu haben. Hat der Misch die Märry auf dem Glacis nicht getroffen, so sucht er sie auf dem Knuedler oder auf dem Paxadeplatz, oder sonstwo, wo die Drehorgeln leiern, die Schaukeln fliegen, die Karussells glitzern, die „reichlichen Süßigkeiten“ locken. Und umgekehrt.
Die ganze Stadt, die heute während der Schobermeßwochen wie ausgestorben ist, wäre in das gesteigerte Leben einbezogen, die Elektrische würde vom Bahnhof bis zum Glacis durch alle Straßenzüge goldne Geschäfte machen, die Schobermeß würde in Wirklichkeit zu einer Kirmes für die ganze Hauptstadt, und unser blinder Heldenkönig würde aus dem Jenseits zufrieden herunter- oder herauflächeln und sagen: So ist’s recht, so hatte ich es schließlich gemeint.
Also nehmen wir uns ein Beispiel an den Eschern. Nicht nur für die Kirmes, sie haben uns auch in allerhand andern Beziehungen gezeigt, wie es gemacht wird.
Aber das ist eine andere Geschichte.