Original

17. Oktober 1926

Ich habe nicht die Ehre und das Vergnügen, den Herrn Grafen Coudenhove-Kalergi zu kennen. Aber ich weiß, wie Sie auch, daß er der Santos Dumont der Paneuropabewegung ist, und daß er auf dem ersten Paneuropakongreß in Wien vor vierzehn Tagen gesagt hat, die friedliche Verwirklichung Paneuropas liege in den Händen von höchstens fünfhundert Menschen. Wenn es nicht gelinge, diese fünfhundert Führer Europas zu überzeugen, so werde es gelingen, sie zu stürzen.

Er muß demnach noch ein ziemlich junger Mann sein.

Man hört sagen, er sei der geborene Führer der Paneuropabewegung, weil er geborener Paneuropäer sei: der Vater belgischen Ursprungs, die Mutter Griechin. Die Rassenmischung in ihm überspanne also den ganzen Weltteil, von Westen nach Osten. Und da er so mit einem Bein am Korinthischen Meerbusen und mit dem andern an der Nordsee stehe, so liege das ganze Europa als Vaterland zu seinen Füßen.

Im Interesse der paneuropäischen Bewegung ist zu hoffen, daß Graf Coudenhove-Kalergi für seinen selbstgewählten Beruf als Vorkämpfer Paneuropas andre und bessere Qualifikationen aufzuweisen hat, als seine Blutmischung.

Soll das Ideal „Paneuropa“ sich verwirklichen, so kann es sich nicht um eine Verschmelzung, sondern nur um eine Verbündung, nicht um ein Durcheinander, sondern um ein Nebeneinander handeln.

Kein europäischer Staat, nicht der kleinste und @ der großte, darf gezwungen werden, von seiner @ art das Mindeste aufzugeben. Paneuro@ Bild, nicht ein Farbtopf werden.

Der Präsident des deutschen Reichstags, Löbe @ in der Eröffnungssitzung des Wiener Kongre@ Losung für Paneuropa müsse heißen: Gegen @ aber für uns. Er drückte damit seinerseits die @ Überzeugung aus, daß in den Vereinigten St@ von Europa von einer Aufgabe des Eigendasein@ Völker keine Rede sein könne.

Er wies ferner darauf hin, daß die Großwi@ den Paneuropaschwärmern schon den praktischen @ zum Ziel gewiesen hat. Es gibt noch keine @ europäische Politik, aber wir sind auf dem besten @ zum paneuropäischen Eisen, Stahl, Gummi, Ka@

Auch der Altbundeskanzler Seipel appe@ die großwirtschaftlichen Organisationen, denen er@ Hauptrolle bei der Verdichtung der Paneuropa@ zuwies. Als guter Katholik sprach er die Ho@ aus, daß die katholische Kirche die Bestrebunge@ Paneuropäer unterstützen werde. Er weiß, d@ katholische Kirche die gewaltigste internationale @ nifation der Welt ist, aber er weiß auch, daß sie@ Organisation nicht gratis in den Dienst einer@ stellt, bei deren Verwirklichung für sie selbst @ herausschaut.

Es bleibt besiehen, daß die Organisierung E@ zu einem politisch solidarischen Staatengebild @ Endes in den von der Wirtschaft gezogenen G@ vor sich gehen wird.

Wenn es wahr ist, daß die modernen Krie@ Interesse der Wirtschaft geführt wurden, so m@ auch möglich sein, einen Dauerfrieden im In@ der Wirtschaft auf der Grundlage vernünftig@ geglichener Ansprüche herzustellen.

Paul Eyschen war schon vor dreißig Jahr@ begeisterter Verfechter des Ideals Paneuropa. @ sah darin die beste Gewähr für die Sicherung @ Unabhängigkeit. Und wo er den Hebel ansetzen @ war er für sein Ideal tätig. Er, der Jah@ lang die Varteien gegeneinander auszuspielen ge@ war, um seine fortschrittlichen Pläne in Lan@ schaft, sozialer Fürsorge, Fachunterricht usw. @ zusetzen, er wußte am besten, wie alles auf dem @ der Verständigung zu erreichen ist.

Das Kleine zeigt uns immer den Weg zum G@ Seht Euch zum Beispiel im Kino den Fil@ Brière“ an. Und sagt selbst: Wenn es so leicht ge@ wäre, durch einfache Verbreitung der Wahrheit @ Unglück zu verhüten, wäre es dann nicht ebens@ durch Verbreitung der Wahrheit die Völker zu @ zeugen, daß sie sich in fünf Minuten verstä@ könnten, wo sie sich heute im Zorn gleich die @ abreißen.

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    Katalognummer BW-AK-014-3271