Gustav und Erika stehen vor einem Coiffeurladen und starren hypnotistert ins Schaufenster.
Was sie fesselt, ist nicht etwa Dr. Dralle’s Birkenhaarwasser, noch das Flacon mit Auxolin oder Christol, oder der Apparat, der den englischen Namen „Horsehair Flesh-Strap“ führt, noch irgendeine der vielen Bürsten und Bürstchen und Seifen und Parfümflaschen.
Sondern der Punktroller.
Das heißt: Dieser braune Zylinder mit den seitlichen Griffen, der aussieht, wie eine Nudelrolle, wenn man so sagen darf, ohne dem heiligen Geist der modernen Körperkultur zu nahe zu treten.
Sein Körper ist braun, wie Schokolade, und besteht aus einer Reihe nebeneinander angeordneter Zylinder, deren Oberfläche mit Löchern und Warzen verziert ist.
Er ist der jüngste Erlöser vom Fluch des Fettes. Auch gegen Rheuma soll er Wunder wirken.
Erika weiß, was sie tun wird.
Ihr klingt es noch in den Ohren, daß ihr Mann vor vierzehn Tagen mit einem spöttischen Blick auf ihre Gestalt von beginnender Rundlichkeit gesprochen hatte.
Während hingegen Gustav außer seinem stattlichen Ausbau nach vorn als hinteres Pendant dazu einen hartnäckigen Herenschuß sein eigen nannte.
So kam es, wie es kommen mußte. Aus einem Munde: „Wie wär’s, wenn wir uns einen Punktroller anschafften?“ - „Jedes den seinen, natürlich.“
Der Punktroller war mit 12.50 Goldmark ausgezeichnet. Machte 25 Goldmark. Zu 8.50 gleich 212.50 belgische Francs.
„Es ist mir das wert,“ sagte Gustav.
„Es war nicht wegen meiner,“ sagte Erika.
„Ich hätte gut und gern ohne Punktroller die paar Viertelpfund abgenommen, die du mir angedichtet hast.“
„Es ist ein Zeichen der Zeit,“ sagte Gustav, „daß der Punltroller, der unter die hygienischen Werkzeuge gehört, jetzt schon als Toiletteartikel geführt wird.“
„Das kommt ganz auf den Einzelnen an,“ sagte Erika.
„Ich werde meine Entfettungskur dadurch fördern, daß ich weniger Bier trinke,“ sagte Gustav.
„So können wir die Ausgabe für deinen Punktroller in kürzester Zeit herein haben,“ sagte Erika.
Darauf sagte Gustan nichts mehr.
Die ersten Tage nach ihrer Heimkehr war es ein richtiges Wettpunktrollen. Sie sahen einen Heroismus darin, eins länger als das andere auszuhalten, und sie leisteten sich den Liebesdienst gegenseitiger Rollerei. Weil Gustav doch so schwer an seinen Hexenschuß konnte, nicht wahr.
Nach drei Tagen behauptete Erika strahlend, ihre Kleider spannten schon gar nicht mehr um die Taille, und Gustav erwog, ob er von den vier täglich gestrichenen Humpen Pilsener nicht wenigsteus einen wieder einführen dürfte. Er führte erst den einen, dann den andern wieder ein, und da er sich nun doch den teuern Punktroller geleistet hatte, sah er schließlich gar nicht ein, warum er statt der vier Humpen minus nicht lieber fünf plus trinken dürfte, da ja der Punktroller dies auszugleichen berufen war.
Eines Tages bekam Gustav nach einem Burgunderabend Herzerscheinungen.
„Ich habe gehört,“ sagte er zu seiner Frau, „mit diesem Punktroller sei es keine so harmlose Sache, wie wir annehmen. Man sollte vor dem Gebrauch den Arzt fragen. Diese übernormale Beanspruchung der Haut wirkt, sagen sie, ähnlich wie Sonnenbäder, die ja auch nicht ohne ärztliche Kontrolle zur Anwendung kommen sollen.“
Erika hatte eine Serie von Kaffeekränzchen hinter sich und fand, daß ihre Kleider wieder über die Taille spannten.
„Mit diesem Punktroller ist es auch wieder Schwindel,“ sagte sie. „Mein Mann wird davon immer dicker, und ich nehme davon auch nicht so rasch ab, wie es der Prospektus in Aussicht gestellt hatte.“
Gustav sagte: „Der Punktroller ist eine Eintagsfliege, wie deren die Jetztzeit so viele zeitigt. Wir aberglauben unbedingt an die Wunderkraft der Technik und gehen auf alle Schlagworte: Müllern, Nacktkultur, Steinach, Punktroller, Valentino, Valencia u. s. w. u. s. w.“
Die beiden Punktroller ruhen müßig und einträchtiglich in einem Schubfach des Toilettezimmers. Und Erita sagt: „Hättest du mir damals doch lieber das Paar Schuhe für 24 Mark gekauft!“
„Ich hätte eine Mark dabei verdient,“ sagt Gustav.