Denkt Euch ein knotiges Ungeheuer, das Ihr in Zwangseinquartierung hättet, unter dem Vorwand, daß es Euch die Kohlen aus dem Keller herauftragen muß: Es liegt in der guten Stube auf dem Sofa, den Kopf auf der einen, die Füße auf der andern Lehne. Es raucht, es rülpst, es spuckt Euch auf den besten Teppich, es räkelt sich, daß die Sprungfedern im Sofa klingen und die Katze vor Schreck durchs Fenster springt. Ihr drückt den zuständigen Behörden alle Klinken ab, damit sie Euch von dieser Plage befreien. Sie versprechen, baldigst Remedur zu schaffen. Es gibt keine Behörde, die nicht verspricht, baldigst Remedur zu schaffen. Sie versprachen Remedur für morgen, für übermorgen, für nächste Woche. Das Ungetüm rülpst und spuckt und spektakelt weiter. Endlich kommt jemand von der Polizei und bittet das Ungetüm, gefälligst vom Sofa anfzustehen und sich anderswo einen Platz zu suchen. Darauf setzt sich das Ungetüm gegenüber in den Klubsessel und spektakelt und spuckt und rülpst weiter.
Die Behörden versprechen weiter, Remedur zu schaffen.
Das Ungetüm heißt Charly, wie Sie längst erraten haben. Es hat sich von dem Sofa auf den Klubsessel begeben.
Die Laufbahn des Charly begann früher links, dann schwenkte sie nach rechts, über die Fahrbahn, damit er die Leute um so sicherer überfahren könnte, dann holte er oben an der Ecke des Königsringes und der Arsenalavenue zu einem weiten Bogen aus, der ihn wieder einmal über die Straße führte, und dann verließ er langsam das Weichbild der Stadt.
Jetzt läuft er schon viel früher über die Straße und kommt rechts über die Brücke. Er findet das sehr amüsant. Und er denkt: Warum machen die Menschen, wenn sie des Lebens müde sind, die Dummheit, 45 Meter hoch hier hinunter zu springen, wo ich es ihnen doch so tadellos zu ebener Erde besorge. Ich habe in dieser Beziehung prima Referenzen.
Über die Zukunft des Charly liefen eine Zeitlang die extravagantesten Gerüchte um. Er sollte zivilisiert, manikürt, frisiert, schampooingisiert, am Ende sogar elektrifiziert werden.
Bis heute ist er einfach vom Sofa auf den Klubsessel verlegt.
Das andere kommt später, sagen sie. Ich glaube sogar, noch später. Wenn wir nicht mehr Glück haben, als die Escher Trambahnen, sitzen wir auf einmal mit unserm Charly zwischen Dampf und Elektrizität im Dreck. Ein Glück, daß wenigstens von diesem genug da ist.
Einige der Privatingenieure, die ihre freie Zeit mit freiwilliger Kontrolle der öffentlichen Arbeiten ausfüllen, haben mich gebeten, ihnen mitzuteilen, wie man es machen wird, damit in Zukunft der Charly und die Elektrische in der Arsenalavenue friedlich miteinander auskommen. Sie scheinen sich da ein Puzzle ausgedacht zu haben ähnlich wie das bekannte mit dem Wolf, der Ziege und dem Kohlkopf.
Heute, sagen sie, läuft also der Charly rechts den Königsring hinauf und gewinnt in weitem Bogen die Arsenalavenue. Damals wurde behauptet, dieser weite Bogen sei notwendig, um an der Kurve Entgleisungen zu verhindern.
Später läuft parallel mit dem heutigen Geleise ein zweites. Eines der beiden Geleise ist für den Charly, der links nach Nollingergrund, das andere für die Elektrische, die rechts nach der Großstraße einbiegt. Fährt der Charly auf dem rechten und die Elektrische auf dem linken Geleise, so müssen sie oben an der Ecke chassez-croisez machen. Fahren sie umgekehrt, so behält der Charly nicht den nötigen Schwung für seine Linkskurve. Quid?
Ich verweigere diesen Fragestellern jegliche Auskunft. Denn ich weiß, ihr Glück besteht darin, daß sie nicht wissen, wie es nachher werden soll. Wüßten sie es, so hätte ihr Leben keinen Inhalt mehr.