Josephine Baker - weibliches Menschtier, Tanz gewordene Urwald-Urseele, Schoß, der sich nehmend und gebend, hemmungslos mutwillig bis an die letzten Dinge auszappelt, betrunkener Rhythmus, orgiastisches Menschtiertum u. s. w. u. s. w.
Sie ist eine Herren-Natur, spielt in ihrer Frauheit wie ein Mann an Fastnacht in einer weiblichen Verkleidung. Macht den Eindruck, daß sie sie nur oder hauptsächlich als Fangeisen verwendet. Sie gehört in die Reihe der Kleopatra, Katharina von Rußland, Queen Elisabeth, Kathi Kobus und Katharina Schumacher - um auch eine Luxemburgerin zu nennen -, alles Weiber vom Herrentypus.
Um sich in Paris durchzusetzen, um sich ihm aufzuzwingen, wie es diese Farbige fertiggebracht hat, muß eine über Leichen gehen. Darf keine Rücksicht, keine Weichheit kennen. Muß sich ganz ihrem DjungelInstinkt überlassen.
Das tut sie, oder sie tut doch so, als ob sie es täte. Für die Augenwirkung ist das alles. Mag sie in der Intimität das schmelzende Weibchen sein, auf der Bühne ist sie die Pantherkatze, schleicht, beschleicht, springt an, wälzt und ringelt sich, bleckt die Zähne, reißt die Augen auf und überzuckert das Agressive solchen Mienenspiels mit einem alles versprechenden Lächeln. Sie geht in brünstiger Unmittelbarkeit auf. Ihr Temperament ist Tempo. Ihr Charleston gleicht dem, den unsere Tanz-Jünglinge mit ihren Dämchen mimen, wie ein Blitz einem Kreidestrich. Man sollte es doch endlich aufgeben, diese Kundgebungen eines nackten und ungebändigten Urinstinkts bis zur Stöckelschuhkultur unserer Dancings herunterzuzähmen. Einen Wirbelwind in einem Ventilatorschacht einzufangen.
Die große Josephine beherrscht derart die Stunde, daß die Menschheit - auch die luxemburgische Menschheit - sich einteilt in Zeitgenossen, die Josephine Baker gesehen haben, solche, die sie nicht gesehen haben, und solche, die sie nur im Film gesehen haben. Wer sie noch nicht gesehen hat, dem ist im Kino Dornseiffer Gelegenheit geboten, diese Lücke in seinem Erleben auszufüllen. Noch einmal erscheint sie heute abend auf der Leinwand, mit dem ganzen Augenzauber der vorjährigen Revue der Folies Bergères. Da dienen ihr als Folie die ungezählten Tiller-Girls, die grade so rhythmisch gezügelt und zuverlässig sind, wie die Bronzene unberechenbar, willkürlich und wild ist. Die Exaktheit dieser Massentänze zerstört ganz den Eindruck des Individuellen, alle diese Köpfe, Arme und Beine hören auf, Einzelwesen zu gehören - kein Liebesobst mehr, nur noch Marmelade.
Sie sehen auch unsere preisgekrönte schöne Landsmännin Miß Luxemburg, die in der Parfum-Serie als Rose auftritt. Sie sehen eine Menge unvergleichlicher Bilder, ein unerhörtes Maximum von Pracht und Aufwand. Man sollte dies Maximum durch sich allein wirken lassen und es nicht durch gesprochene und gesungene Kommentare verstärken wollen, über die des Sängers Unhöflichkeit am besten schweigt.