Wir sind darin einig, daß grade für Luxemburg die Verschönerung des Stadtbildes mit allen Mitteln zu den vornehmsten Pflichten der Allgemeinheit gegen sich selbst und gegen den Einzelnen gehört.
Sollte es bestritten werden, so wäre der jüngste Laufonrsche von Großluxemburg um den Beweis nicht verlegen.
Zur Allgemeinheit gehört gewissermaßen auch der Staat. Er ist sozusagen die Gestalt, in der die Allgemeinheit sich selbst gegenüber tritt. Er sollte also der letzte sein, der auf die Pflichten der Allgemeinheit gegen sich selbst pfeift.
Aber er tut es.
Er tut es nicht immer und überall. Er tut es zum Beispiel nicht, wenn es sich um seine Pflicht handelt, Steuern zu erheben, die Ordnung zu wahren, die Verwaltungsmaschine im Schwung zu halten u. s. w.
Aber er tut es stellenweise, wo es sich um die Verschönerung des Stadtbildes handelt.
Wenn irgendwo ein neuer Straßenzug erschlossen wird, ist die Privatinitiative sofort bei der Hand, um daraus eine Straße, eine möglichst schöne Straße zu machen. Die Bauherren überbieten sich in dem Bestreben nach monumentalen Fassaden und bequemen Wohnungen. Allerdings haben sie sich bei der Erwerbung der Baustelle verpflichten müssen, innerhalb einer bestimmten, möglichst kurz bemessenen Frist zu bauen. Selbstverständlich. Weil sie sonst nicht gebaut, sondern in Terrains spekuliert hätten, und weil dann die neuen Straßen in Luxemburg überall noch häßliche Lücken aufwiesen.
Lücken in einer neuen Straße mit sauberen Neubanten sind immer häßlich, und nichts ist bekanntlich der Schönheit abträglicher, als Häßlichkeit.
Mithin sollte also der Staat alles tun, was in seinen Krästen steht, um solche Lücken zu vermeiden.
Er tut es nicht. Er hat sich im Gegenteil eine traurige Spezialität daraus gemacht, die Lücken zu fördern und bestehen zu lassen, wo er nur kann, sogar unter Mißachtung längst bestehender Verpflichtungen.
Beispiel: Zwischen dem Haufe Baelesse und der Grundkreditaustalt, am Petrußring, klasst seit Jahrzehnten eine der häßlichsten Lücken in unserm Stadtbild. Sie klafft an einer Stelle, wo Natur und Menschenhand sich vereinigt haben, um eines der reizendsten Fleckchen zu schaffen, die weit und breit zu finden sind.
Das Terrain gehört der Grundkreditanstalt. Die Grundkreditanstalt hat sich bei dessen Erwerbung vor Jahrzehnten zur sofortigen Bebauung verpflichtet. Eine Bebauung böte zweifellos eine lohnende Kapitalanlage. Wahrscheinlich wäre der Staat selber sofort Liebhaber für die mietweise Übernahme des Neubaues, um darin irgendeine Verwaltung unterzubringen. Wenn nicht, so wäre ein Haus mit modernen Etagenwohnungen im Nu vermietet.
Man zerbricht sich im Publikum den Kopf darüber, warum die Grundkreditanstalt, in deren Händen schließlich die Interessen des Gemeinwesens liegen, dieses wertvolle, ja kostbare Bauterrain unvenutzt immer weiter die Zinsen seines Aukaufspreises fressen läßt, statt es so oder so zweckmäßig zu bebauen. Und warum der Staat ruhig zusieht.
Es fehlte nur noch, daß die Bauverwaltung dieses Terrain nun auch als Schuttablagerungsstelle verwendete, wie den großen Platz an der Freiheitsavenue, oder als Pflastersteindepot, wie den Platz Ecke Monterey-Avenne und Äußerer Ning.
Was den ersteren betrifft, der später naturgemäß nicht anders wird heißen können, als Freiheitsplatz - so lange er noch frei bleibt -, so verlautet, es sei von oben herunter beabsichtigt, ihn keiner andern Bestimmung entgegen zu führen, solange die neue Kirche im Bahnhofviertel nicht gebaut ist. Damit man Platz behalte, sagen sie, um die Steine zu behauen. Man hat es auch schon anders gehört.
Die nackte Ecke dagegen an der MontereyAvenne soll als Flughafen für die Kleinflugzeuge in Aussicht genommen sein, die ganz sicher einmal erfunden werden und sich zum heutigen Flugzeug verhalten sollen, wie das Fahrrad zum Luxusauto.
Man sieht, daß in Ermangelung hyperästhetischen Antriebs unsere Bauverwaltung wenigstens weitsichtig ist.