Ich habe mit Herrn Hemmer ein unerhörtes Pech.
Ich lese nämlich heute im „Luxemburger Wort“, daß ich ihn zu Unrecht Charles genannt habe und daß er richtig Eduard heißt.
Ich freue mich, daß ich endlich einmal mit dem „Lux. Wort“ einverstanden sein kann. Ja, er heißt Eduard, das weiß jedes Kind im Kanton Capellen, und er wird nicht schlecht gelacht haben, als er hörte, wie ich ihn eigenmächtig in Charles umgetauft habe.
Aber das ist lange nicht so schlimm, wie das erste Pech, das ich vor einigen Jahren mit ihm hatte. Damals hatte ich an ihm nichts weniger, als einen Touschlag begangen - ohne die Absicht zu töten, wie sie am Gericht sagen.
Ich war in Urlaub und grade beim Fischen, als ein junger Mann gelaufen kam und mir zurief, ich sollte sofort an’s Telephon kommen. Auf meine Frage, warum, kam eine gekeuchte Antwort, die ich so verstand: „Der Präsident der Kammer ist gestorben!“
Das fuhr mir derart in die Glieder, daß die Nachenstange, die ich grade eingesetzt hatte, am Boden ausglitt und ich kopfüber in die Mosel stürzte. Ich schwamm mich heraus, lief heim, kleidete mich um und fuhr in die Stadt. Unterwegs verbreitete ich überall die Todesnachricht. Erst am nächsten Morgen klärte sich das Mißverständnis auf.
Dieses war der erste Streich. Hoffentlich erfüllt sich auch diesmal das Sprichwort, daß Totgesagten ein langes Leben beschieden ist.
Und nun die Geschichte mit der Umtaufe. Wenn ich sagen soll, wie ich zu dem Charles gekommen bin - ich weiß es nicht. Wahr und wahrhaftig! Das „Charles Hemmer“ floß mir ganz von selbst und unbewußt aus dem Bleistift. Von woher und warum diese Namenzusammenstellung mir schon immer im Ohr klingt, ist mir ein Rätsel. Aber Charles und Hemmer gehörten für mich zusammen, wie Sadi und Carnot, wie Felix und Faure. Der Vorname Charles war mir immer einer der sympathischsten. Alle Charles, die ich kenne, sind liebe Leute. Und niemand kann mir verbieten, einen Mann, den ich achte, Charles zu nennen, auch wenn er Eduard heißt und zumal, wenn er nach seinem Vorleben ebensogut Charles heißen könnte.
Aber ich werde mich künftig doch vor solchen Unachtsamkeiten hüten müssen. Sonst könnte es mir passieren, daß ich einen Redakteur des „Lux. Wort“ einmal in der Eile Chrysostomus Müller oder Wunnibald Schulze oder Onesimus Lehmann nännte, blos weil der Mann so aussieht.