Eine Frage, die jetzt in der Luft schwebt: Wie wird das nun mit dem Frauenwahlrecht werden?
Ich glaube steif und fest, daß die meisten Frauen wählen werden, wie ihre Männer. Der Widerspruchsgeist der Frau liegt ja hauptsächlich auf dem Gebiet des gesprochenen Wortes. Wenn es über’s Handein hergeht, muß schon ein ganz tiefer Riß vorhanden sein, damit eine luxemburger Frau ihrem Eheliebsten, dem verantwortlichen Leiter des Ganzen, die Gefolgschaft kündigt.
Auf dem Lande draußen wird es wohl so sein, daß Sie stimmt, wie Er will, eben weil Er immer stimmt, wie Sie will. Wenn es ernst wird, traut sie übrgens ihrem Jang mehr Grütze zu, als dem geistlichen Herrn.
In städtischer Umwelt gibt es wahrscheinlich die meisten Abweichungen von der Regel.
Bei Käsebiers zum Beispiel wird die Frage wenig erörtert. Wenn keine Buße auf der Enthaltung stünde, bliebe Sie und wahrscheinlich auch Er zuhaus. So wählt Er panaschiert, ein paar aus jeder Liste, weil er als Geschäftsmann es mit Keinem verderben will. Frau Käsebiers Zettel ist totsicher ungiltig.
Auch ein Typus Familie Snobman kommt vor. Mann und Frau haben sich wichtig, reden von allfränkischer und moderner Politik, haben über Bolschewismus das für und wider gelesen, finden die Sache gar nicht so verwerflich, meine Liebe, man muß nur verstehen, worauf es ankommt. Und sie stimmen beide, wie ihnen der Hausfreund rät, der ein so überlegenes Urteil über alles hat.
Bei Fuseihubers fragt abends vor den Wahlen der Mann die Frau, wie sie wählen wird. Du sie schlecht gelaunt ist, sagt sie, sie werde ganz genau für die Gegner seiner Liste stimmen. Darauf haut er sie durch, dann versöhnen sie sich sie erkennt in ihm den Herrn, wird zärtlich und versichert ihm unter Tränen, daß sie Punkt oder Kreuze so machen will, wie er es befiehlt.
Oder der hochgebildete, ästhetisch raffinierte Herr Masius hat eine Frau vom Typus: Weißes Kätzchen. Ihm wird diese ganze Wahlangelegenheit zu einer Quelle morbider Genüsse und perverser Seelenpein. Er überträgt das Passionelle in die Politik. Er spielt mit der Frage: Wie wirst du wählen, Amanda? wie mit einem Giftfläschchen oder einem geladenen Browning. Sie sagt augenzwinkernd: „Gell, das möchtest du wissen.“ Er: „Ich bitte dich Amanda, es handelt sich um eine der großen Zukunftsfragen. die die Menschheit heute bewegen.“ Im Grunde aber ist es ihm völlig egal, er sieht nur die Gelegenheit eines anregenden Konfliktes. Er bedrängt sie, macht ihr eine Szene, sie erschrickt vor der Leidenschaftlichkeit, mit der er an das Problem herangeht, schwört ihm, ihr Wahlrecht in seinem Sinne auszuüben, und er küßt gerührt ihre Fingerspitzen. Später wird sie einmal trotzig sagen: „Ich habe damals doch anders gewählt, ersch!“ Und die Tragödie eines Lebens ist fertig. Er wird es nie ersahren, wohin sein Weib den schwarzen Punkt oder ihre Kreuze gemacht hat. Ha, wer schafft Gewißheit! Seine Qual gleicht der eines Eiserfüchtigen, der in des Zügen eines Kindes die Ähnlichkeit mit dem vech@ ten Rivalen zu erkennen meint und nie, niemals Gewißheit erlangen kann.
Seht Ihr, solche Tragödienstoffe schlummern in dem neuen Wahlrecht.
Es gibt nur eine Rettung und ich kann meinen Wählerkollegen nur den einen Rat geben: Kümmrt Euch gar nicht, absolut nicht darum, wie Eure Frauen stimmen werden - dann stimmen sie vielleicht wie Ihr wollt!
Vielleicht auch nicht.