Also mit der Staatsanleihe will es nicht buttern, sagen sie.
Das ist fatal. Es hieß doch immer: Jetzt ist der Augenblick für den großen Pump gekommen! Die Luremburger haben die Taschen zum Bersten voll Geld und wissen nicht, wie sie es anlegen sollen. Deutsche Kriegsanleihe ist mehr oder weniger in Verruf gekommen. Häufer sind keine mehr zu verkaufen, und die Angst, daß Mäuse ihnen ihre Schätze anknabbern, bringt die neuen papiernen Krösusse um. Also ist es eine rettende Tat, wenn der Staat sagt: Kinder, vertraut mir eure Bankscheine an, ich gebe euch viereinhalb Prozent, ist das nicht splendid? Und Ihr habt das Verdienst, dem Vaterland aus der Not zu helfen und der Regierung einen glänzenden Vertrauensbeweis zu geben!
Aber die guten Leute behielten die Hände in den Taschen und dachten sich das Ihrige dabei. Was sie dachten erfährt niemand. Sie sagen wohl dies und sagen das, aber ganz im Hintergrund ihrer Gedanken steht das Mißtrauen.
Denn Pump ist vor allen Dingen eine Vertrauenssache. In unserm Lesebuch stand seinerzeit eine Geschichte von einem peinlich gewissenhaften alten Herrn, der keinen Pfennig Geld hatte und bis zu seinem Ende auskömmlich vom Pump lebte. Er bezahlte immer seine Rückstände von gestern mit der Anleihe von heute und blieb niemanden etwas schuldig, ausgenommen seinem letzten Gläubiger. Der war natürlich um sein ganzes Darlehen geprellt. Aber da lag der gewissenhafte alte Herr sicher geborgen in seinem Grab von reglementmäßiger Tiefe, u. wenn der Ceprellte durch bittere Vorwürfe seinem Unmut Luft machte, nahmen alle andern für den Toten Partei und sagten, er habe stets ihr volles Vertrauen besessen, und sie hätten ihm jederzeit «le bon Dieu sans confession» gegeben.
Dieses Vertrauen, dessen die Staaten sogut, wie die einzelnen Bürger bei Geldgeschäften bedürfen, besitzt unsre Regierung nicht mehr.
Sie braucht sich über die Gründe den Kopf nicht zu zerbrechen.
Sie hat die Hand dazu geboten, Riesensummen so zu verausgaben, wie das Land in seiner überwiegenden Mehrheit nicht wollte, daß sie verausgabt würden. Die, die kein Geld haben, finden es höchst angebracht, daß die Regierung Geld zum Fenster hinaus werfen hilft. Die aber, die Geld haben, werden das unangenehme Gefühl nicht los, daß es ihr Geld ist, das da zum Fenster herausfliegt.
Herr Neyens ist ein sehr gescheiter Finanzminister. Und wenn er es noch nicht war, als er seinen Posten übernahm, so ist er es inzwischen sicher geworden. Ich, ein blutiger Laie in Finanzfragen, brauche ihm also nicht zu sagen, warum seine An- leihe vorbei gelungen ist. Er weiß es ganz genau, und er wird sich wohl in einer der nächsten Sitzungen der neuen Kammer haarklein darüber auslassen.
Eins aber wird er sicher nicht sagen, die Hauptsache: daß nämlich das Land ihnen nicht mehr traut.
Ein Bruder Studio, der am 29. des Monats einen Pump anlegen will und dabei abfällt, sagt auch tausendmal lieber, der andre sei ein schäbiger Pfennigsuchser, als daß er eingesteht, er habe ihn schon ein paarmal aufsitzen lassen.