Wer sich ein neues Haus gebaut hat, wird immer @ Erfahrung machen, daß ihn später dessen Einrichtung weiter, oft viel weiter führt, als er vorhergesehen hatte. Die alten Vorhänge sind zu kurz, die alten Möbel sind zu klein oder passen im Stil nicht mehr, die Heizung reicht nicht aus, es ist vieles bequemer, aber es braucht Zeit, bis sich die Gemütlichkeit wieder einstellt - wenn sie sich wieder einstellt.
Ich fange an zu ahnen, daß es uns mit unserm neuen Wahlgesetz gehen wird, wie es dem Erbauer eines neuen Hauses geht.
Der Vergleich stimmt schon von allem Anbeginn.
Beim Bau eines Hauses sind ihrer zwei maßgebend: Der Architekt und der Bauherr, das ist der Eigtümer. Der Architekt schafft ein organisches Ganzes in dem immer eins auf dem andern beruht, eins vom andern abhängt und aus dem andern hervorgeht. Dem Bauherrn und der Bauherrin paßt am Plan dieses nicht und das nicht, sie will immer mehr Wandschränke, ihm schwebt irgend ein Ideal, eine Erinnerung aus Jugend- oder Reisetagen vor. Und die schöne Harmonie, in der der Architekt das Haus aus einem Entwurf herzustellen gedachte, ist schließlich krank an allerhand Kompromissen.
Irgendwo in unserm neuen Wahlgesetz steht eine Bestimmung, die darauf zu deuten scheint, daß vom ursprünglichen Plan des Architekten in der Kammer ein Wesentliches unter den Tisch gefallen ist. Irgendwie heißt es, der Präsident des Wahlbüros dürfe an der Reihenfolge, in der die Kandidaten auf der Par@ste stehen, nichts ändern. Das ist ein Anklang an die Gesetzgebung über allgemeines Wahlrecht und Verhältniswahl, wie sie auswärts besteht. Dort werden die Kandidaten der einzelnen Parteien nicht in alphabetischer Reihenfolge auf die Listen gesetzt, sondern die Partei bestimmt, wer als erster, als zweiter, und dritter usw. inbetracht kommt. Bei unserm System ist es möglich, daß der Kandidat, auf den die @ler seiner Partei am meisten halten, infolge des @orzes einem Gegner das Feld räumen muß.
Da ist also eine der Verbesserungen, die an dem @ Gesetz unbedingt vorgenommen werden müssen.
Der sie wird ihrerseits einen weiteren Ausbau der Parteiorganisationen bedingen. Jede Partei wird unter sich die Reihenfolge ihrer Kandidaten durch einen @ bestimmen müssen. Damit das Ergebnis dieses @ der richtige Ausdruck des Parteiwillens sei, müssen alle, die auf dem Prinzipienstandpunkt der Partei stehen, in die Organisation hinein. Und das @ wird sich demnach in Parteien spalten, genau @ das Land heute in Kantone und Bezirke eingeteilt ist. Wie einer heute sagt: Ich bin Diekircher, oder Clerfer, oder Remicher, so wird er in Zukunft @ müssen: Ich bin Mitglied der gelben, der grünen und der weißen oder gesprenkelten Partei. Auf den Landkarten steht nicht mehr: Johann Pflugsterz, Land@ sondern: Johann Pflugsterz, Parteimitglied. Der fühlt sich nicht mehr als Bürger, sondern als Mitglied seiner Partei. Die Politik wird uns nicht @ etwas sein, in das man alle sechs Jahre hineingezogen wird, sondern sie wird uns zum täglichen @ zur Luft, die wir einatmen.
Und so weiter und so weiter.
Es wird, glaube ich, lange dauern, bis es uns in dem neuen Haus gemütlich wird. Aber auf Gemütlichkeit kommt es ja heute nicht mehr an. Sondern auf Politik.