Original

26. Oktober 1919

Herr J. P. Goedert aus Schoos ist mit den Amerikanern nicht zufrieden.

Sie haben ihm, wie mir jemand in seinem Auftrag schreibt, nur 55 Fr. Miete für zwei Häuserbezahlt, die ihnen als Kasernen dienten, während andre für ein Haus hunderte Franken bekamen.

Herr Goedert legt Wert darauf, daß dies in die Zeitung kommt, und er „vermacht“ mir zu diesem Zweck obgenannte 55 Fr. per Postanweisung.

Es entzieht sich selbstredend meiner Beurteilung, ob Herr Goedert Recht hat oder ob die Amerikaner Recht haben. Aber die 55 Fr. habe ich genommen und sie in die Kasse des „Monument du Souvenir“ eingezahlt, worüber ich Herrn Goedert Quittung zuschickte.

So wird sein Zorn, ob gerecht oder ungerecht, einer patriotischen Sache dienen, und wenn er spater einmal an dem Denkmal unsrer luxemburger Helden vorbei geht, kann er mit Stolz darauf zeigen und sagen: Seht, alles, was mir damals die Amerikaner bezahlten, steckt in diesem Denkmal.

Ich bin mir allerdings dunkel bewußt, daß ich im Begriff bin, zu einer durchaus widerspruchsvollen Tat die Hand zu bieten. Unsre Befreiung verdanken wir u. a. auch den Amerikanern und den luxemburger Freiwilligen in den Heeren der Entente. Daß indirekt amerikanisches Geld bei der Ehrung der luxemburger Freiwilligen mithilft, ist ganz in Ordnung, aber daß diese Mithilfe dem Unwillen eines Luxemburgers gegen die Amerikaner zu verdanken ist, das erscheint mir bedentlich.

Diese Zeilen haben denn auch letzten Endes nur den einen Zweck, jenen Unwillen aus der Welt zu schaffen. Die Yanks sind gemütliche Leute, und wenn ihnen dies zu Gesicht kommt, werden sie sicher sagen: „Seht einmal den Coedert, ist der so giftig! Den Mann müssen wir wieder fidel stimmen.“ Und sie werden hinsahren und von seinem Wein so lange trinken und von seinem Schinken so lange essen, bis er einsieht, daß sie durchaus nicht in feindseliger Absicht gegen ihn gehandelt haben. Und da es ihm schließlich auch nicht um die paar farbige Lappen zu tun ist, wird er immer noch einmal in den Keller hinunter steigen, und wenn sie dann spät nachts im Auto wegfahren, muß er ihnen versprechen, daß er sie mit Frau und Kind in Amerika besuchen wird, und er wirdihnen, wenn sie wiederkommen, seine sämtlichen Häuser gratis zur Verfügung stellen.

Sollten nun andre sein, die aus gleichem Grund gegen die Amerikaner aufgebracht sind, so möchte ich sie bitten, die betreffenden Beträge lieber direkt an den Schatzmeister des „Monument du Souvenir“, Herrn Ni@. Zimmer einzuschicken.

TAGS
    Katalognummer BW-AK-007-1516