„Wie schön!“ sagte mein Begleiter und deutete auf den Kinderspielplatz an der Monterey-Avenue hinunter.
Der Boden war mit einer wunderbar gleichmäßig gestreuten Blätterdecke überteppicht. Die Farben mischten sich, wie auf dem Bild eines Pointillisten, zu einem weichen, aber seltsam lebhaften Gesamtton, Die Fläche war durch die tausendfache Bewegung der Einzelumrisse aufgelöst, die Bewegung durch das Gleichmaß der ins Unendliche gehenden Wiederholung zur Fläche beruhigt. Es war wie das Gekräusel auf einem luftüberhauchten Wasserspiegel, es war wie gedämpfte Mandolinenmusik.
Und das Springbrünnlein plätscherte unermüdlich, beflissen und einsam vor sich hin. Es wollte sich seines klingenden Flüssigseins noch nach Herzenslust freuen, bevor es der Frost mit Starrheit schlägt.
Dies Springbrünnlein ist die einzige Wasserkunst die unsere Stadt aufzuweisen hat. Wir hätten Plätze, auf deren jedem eine Fontäne pompös wirken müßte, aber Wasser ist uns Luxus, jeder Strahl bedeutet für uns eine Schaufel Kohlen, einen Maschinenkolbenschwung. Unser Wasser fließt nicht, es wird gepumpt, und gepumpte Springbrunnen sind Vorspiegelung falscher Tatsachen.
Der Strahl der lebendigen Fontäne ist kosmische Kraft. Er ist ein Glied in der Kette des ewigen Kreislaufs. Am Meeresufer die Brandung ist ebensolche Kraft. Sie ist nicht an Ort und Stelle, nicht zehn Kilometer weit in einem Pumpwerk geboren, sie ist da mit dem Weltenraum, sie wirkt zusammen mit der Kraft der Brandung an den Userfelsen anderer Erdteile, sie kommt von Ewigkeit her und geht in Ewigkeit weiter. Der Nebel steigt, der Regen fällt, die Quellen sickern im Schoß der Erde zusammen, die Schwerkraft drückt sie nach unten, und wo sich im dunkeln Käfig ihrer Kraft ein Türlein auftut, springen sie ans Licht und lassen ihren Druck verpuffen. Ihr Strahl quirlt und steigt im Licht, sie trinken die Sonne und jauchzen, weil sie sie ganz durchdringt und sie rein spült von der Finsternis, die drunten in ihnen war.
Darum sitzen wir gern stundenlang am tosenden Wasser und an steigenden, plaudernden Springbrunnen und lassen sie von der ewigen Kraft erzählen, der sie gehorchen.
Unser Springbrünnlein auf dem Kinderspielplatz das einzige, das wir besitzen, plaudert hurtig weiter aber niemand hört ihm jetzt noch zu. Im Sommer war es ein Sinnbild der Erquickung. Man hörte es im Vorbeigehen plätschern und dachte an kühlendes Trank und erfrischendes Bad. Und manchmal konnte man träumend, in lauen Sommernächten, am Gitter des kleinen Beckens lehnen oder auf den Stufen dazu hocken und seine Gedanken im monddurchglitzerten Strahl springen und spielen lassen, wie die gläsernen Kugeln bei den Schießbuden. Das Springbrünnlein weiß nicht, daß die Zeit jetzt um ist. Es meint, wir müßten immerfort bei ihm stehen bleiben und verträumt uns dem Zauber seines Geplauders überlassen. Es ist wie ein lyrischer Dichter, der munter drauf los Blümelein und Denke mein reimt und nicht verstehen kann, daß die Leute sich mehr für Kohlenund Kartoffelpreise, als für seine Gedichte interessieren.
Nein, liebes Brünnlein, mach Schluß. Es war sehr, sehr schön, wie du über den blaßgrünen Blätterteppich hin deine Sommernachtsmärchen erzähltest aber wir haben kalte Füße und sind verschnupft und machen, daß wir hinter den warmen Ofen kommen.