Original

9. November 1919

Noch eine Waffenstillstandserinnerung.

In unserer Morgenausgabe vom Dienstag, @ November 1918 stand in der Berliner „Meldung der Obersten Heeresleitung“ vom 11. November folgender Schlußabsatz: „Infolge Unterzeichnung des Wassenstillstandsvertrages wurden heute mittag an allen Fronten die Feindseligkeiten eingestellt.“

Die Morgenausgabe vom 13. November enthielt folgende Meldung aus Köln, 11. November: „Das Pressebüro des Kölner Arbeiter- und Soldatenrats teilt folgende Funksprüche mit:

An die Oberste Heeresleitung der Alliierten, und der Deutschen Heeresleitung: An der Front Ste@ Beaumont an der Maas setzten Amerikaner trotz des geschlossenen Waffenstillstandes die Angriffe fort. Bitten um Einstellung der Feindseligkeiten. (3.45@ Uhr nachmittags durch Arbeiter- und Soldatenrat @ mitgeteilt.)

Funkspruch an das deutsche Hauptquartier: „Wir haben Ihren Funkspruch von 3.14 nachmittags erhalten. Es sind Anordnungen getroffen, daß die Angriffe der Amerikaner auf der Front von S@ und Beaumont, die Sie uns gemeldet haben, sofort aufhören. Der Waffenstillstandsabschluß ist in Paris und London durch Kanonenschüsse angezeigt worden.

Oberste Heeresleitung der Alliierten.“

Ein paar Wochen später - oder waren es ein paar Monate? - saßen wir mit amerikanischen Offizieren zusammen. Ein „Köhrn!“ - nennen wir ihn Bark@ obgleich er ganz anders hieß - saß schweigend da und hörte zu, wie wir uns im Englischen übten. @ der eine erzählte, wieviel Onkels, Tanten, Großonkel, Großtanten, Vettern und Kusinen er in Amerika habe, wie der andere die Regierungsform, die Ver fassung und die öffentliche Meinung Luxemburgs erklärte, wie ein dritter von den Fliegerangriffen erzählte. Barkley nickte dazu und bestellte sich einen weiteren Cognac. Dann glitt das Gespräch auf den Krieg und die Waffentaten der Amerikaner über, die einer fragte, ob es wahr sei, daß die Yanks noch @ schossen hatten, nachdem der Waffenstillstandsvertrag unterzeichnet war.

Die amerikanischen Offiziere sagten, sie wüßten es nicht genau, es könne sein, könne auch nicht sein.

Da sagte Colonel Barkley mit seinem klangvollen Bariton:

„C’été vrouai!“

Wir wollten wissen, wieso und warum, und wie @ sich damit verhalte.

„Das kann ich Ihnen ganz genau sagen. Es war meine Batterie.“

„So so! Wie interessant! Und warum ...?“

„Weil ich in Amerika gewettet hatte, daß ich in diesem Krieg den letzten Kanonenschuß abschießen würde. Ich habe meine Wette gewonnen! Ke@ einen andern Cognac!“

Wir lachten.

Ich habe später gehört, daß Colonel Barkley - @ wir ihn nennen wollen - die Wahrheit gesagt hat.

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    Katalognummer BW-AK-007-1526