Es ist eine Geschichte von einem geistlichen Herrn Professor, einem Papagei und einem Bischof.
Ich darf sie erzählen, denn sie gereicht keinem der Beteiligten zur Unehre. Höchstens von dem Papagei könnte man sagen, er sei dabei der Blamierte, und der Papagei ist glaube ich tot. Der Bischof übrigens auch. Aber der Professor lebt noch und ist guter Dinge, obzwar er vor einer Reihe von Jahren, dem Tode durch Ertrinken nur mit knapper Not entgangen ist, als er im Eifer des Fischens aus dem Kuhn kopfüber in die Mosel gestürzt war. Wenn ich sage, daß er nach dem Patron der Fischer Peter heißt, so habe ich damit seine Identität noch nicht verraten.
Während also dieser Namensvetter des hl. Petrus vor Jahren im Priesterseminar Kirchengeschichte dozierte - oder war es Katechetik? - hielt er sich einen Papagei als Gefährten der stillen Stunden, die er in seiner Zelle bei Studium und Pseifenrauchen zubrachte.
Dieser Papagei war ein sehr temperamentvolles, aber durchaus unwirtschaftlich veranlagtes Tier. Wenn ihm der Professor seinen Napf voll Futter gab machte sich der Papagei in ausgelassener Weise darüber her und hatte seine helle Freude daran, die Sonnenblumen- und sonstigen Samenkörner nach allen Richtungen in’s Zimmer zu schnellen. Seinem Herrn mißfiel das in hohem Grade, und er machte aus seinem Mißfallen dem leichtsinnigen Tier gegenüber kein Hehl. Er kleidete seinen Unwillen in ein Wort, das zwar nicht recht in den Mund eines geistlichen Herrn Professors der Katechetik - oder war es Kirchengeschichte? - paßte, aber die Sache umso vortrefflicher bezeichnete. Er nannte seinen Papagei nämlich Schweinekerl! Sie können Sich die Betonung vergegenwärtigen, im der dies Vokabel dem Vogel sich einprägte. Entrüstung, Verachtung und Drohung lagen darin etwa zu gleichen Teilen.
Eines Tages fiel es dem hochwürdigsten Herrn Bischof ein, einen Besuch im Seminar abzustatten und bei den Herren Professoren einmal einzeln hineinzusehen. So kam er auch an die Türe unseres Bekannten.
Da auf sein Anklopfen keine Antwort erfolgte, öffnete er die Türe und sah sich im Zimmer um. In diesem Augenblick scholl es ihm klar, deutlich und unerschrocken entgegen: „Schweinekerl!“
Bis dahin wurde mir die Geschichte erzählt, mit dem wohlfeilen Hinweis, ich könne mir die Fortsetzung dazu selost ausdenken.
Wenn der hochwürdigste Herr Humor hatte, so ist dem Papagei kein Leid geschehen. Hatte er aber keinen Humor, so ist der arme Kakadu verbrannt oder gesöpft oder erwürgt oder gevierteilt worden.
Ich glaube eher das Letztere.