Original

3. Dezember 1919

Von verschiedenen Seiten wurde ich aufgefordert, hier zu den jüngsten Vorgängen im Athenäum Stellung zu nehmen.

Ich lehne es ab. Denn dieser Fall ist zu einer Besprechung in der Presse nicht geeignet. Er würde am besten außer den Grenzen der Anstalt überhaupt nicht erörtert.

Es handelt sich vorderhand - nicht in erster Linie und nicht im Kern der Sache - aber vorderhand um die Disziplin. Und die Disziplin in einer Anstalt sollte nur diejenigen angehen, die sie handhaben müssen. Es darf ihnen nicht von außen in ihre Rechte und Pflichten hineinregiert werden, am allerwenigsten, wenn man weiß, daß die Leitung der Anstalt das Vertrauen der öffentlichen Meinung, der Lehrerschaft und der Schüler bisher immer besessen hat. Sogar die Regierung soll sich besinnen, ehe sie von oben in den Konflikt eingreift, denn wer am nächsten beim Schuß ist, weiß immer am besten, wie er ihm ausweicht.

Also jeder soll an seinem Teil dazu beitragen, daß die Gemüter sich beruhigen und keine Lösung ab irato zu erfolgen braucht.

Außenstehende zumal sollen sich enthalten, ein Urteil zu fällen und noch viel mehr, es zu verkünden, zu sagen, wer recht und wer unrecht hat.

Der Augenblick zu einer radikalen Lösung ist jedenfalls noch nicht gekommen. Sie könnte erst getroffen werden, wenn alles wieder im Geleise ist. Dann aber gehören dazu vor allen Dingen ein geschickter Fingersatz, Energie und zumal und zuerst: Rücksicht auf das Interesse der kommenden Generationen.

Den Schülern, die die Sache betrifft, kann nicht ernst genug dazu geraten werden, daß sie Vertrauen in die Anstaltsleitung und in das Professorenkorps bewahren, die sie verstehen und letzten Endes in ihrem Interesse das Richtige werden ausschlaggebend sein lassen.

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    Katalognummer BW-AK-007-1546