Dieses ist eine kurze, aber größtenteils wahre Geschichte.
Ich bestimme zunächst Zeit und Ort aufs genaueste: Mittwoch, 17. Dezember a. c., abends 9 Uhr 17 Minuten, Luxemburg, Wassergasse, zwischen Eisenhandlung Prinz und Deputiertenkammer.
Eine Ansammlung hat sich gebildet, aus deren Mitte ein Kernfluch am andern erschallt, gefolgt von tosendem Gewieher der Gaffer.
Den Mittelpunkt der Gruppe bildet ein Esel, der nicht vor- und nicht rückwärts will. Sein Besitzer haut auf ihn los, daß es kracht, zieht ihn am Zügel nach vorn, zieht ihn am Schwanz nach hinten - der Esel stemmt sich mit allen Vieren gegen den Zug und weicht nicht vom Platz.
„Gët em eng Dröppl“ rät jemand, der die belebende Kraft des konzentrierten Alkohols offenbar höher einschätzt, als Herr Abbé Müllendorff selig.
Ein andrer, der den Fall mehr politisch auffaßt, sagt: „Dën lesel wär gieren an d’Chamber!“
Grade ging Herr René Blum vorbei. Herr René Blum ist nach der Versicherung des Herrn-Neyens ein pince-sans-rire. Er fragte den Mann, wie der Esel heiße.
„Bijou.“
„Das ist falsch,“ sagte Herr René Blum. „Euer Esel will nicht vom Fleck, also nennt ihn Zollverein.“
Ich weiß nicht, ob sie den Esel schließlich doch noch vorwärts gebracht haben. Wenn nicht, so steht er noch immer da. Wenn ja, so könnte Herr Staatsminister Neuter den Mann mit dem Esel vielleicht fragen, wie es gemacht wird.