Schluß!
Sie sind, verehrter Freund, der dreiundzwanzigste, der mir schreibt, es heiße Mistel und nicht Mispel.
Eine Dame schreibt mir anonym, ich müßte erst die deutsche Sprache lernen. Sie schreibt französisch und macht in sechs Zeilen zirka sieben Fehler. Ich bin gerächt.
Ein Herr schickt mir, mit einer botanischen Notiz auf deutsch und latein, eine Zigarrenkiste halb voll Mispeln und halb voll alten Semoistabak. Für beides meinen verbindlichsten Dank.
Ein andrer Herr hat in der Annahme, es seien wirklich Mispeln gemeint, für diese eine Lanze eingelegt und mich um eine Ehrenrettung gebeten. Und so weiter und so weiter.
Also Schluß! Ich weiß, daß die Schmarotzerpflanze„ die auf den Bäumen wächst und die sie in England am Christmasabend an den Kronleuchter hängen, die Mistel ist, viscum album L. über die Edmund Klein eines seiner interessantesten Bücher geschrieben hat. Und ich weiß auch, daß die Mispel, Mespilus germanicus L. ganz etwas andres ist und im Luxemburgischen einen Namen hat, den man in anständiger Gesellschaft nicht in den Mund nimmt, so gern man auch die braune Frucht genießt.
Das alles weiß ich. Ich habe dennoch Mispel statt Mistel geschrieben, aus alter Gewohnheit, weil hierzuland die Mistel Mispel heißt. Sie kennen ja den Ausdruck: «E mëcht e Gesîcht we’ eng Gês, de’ Mëspel frësst.»
Ich sprach dieser Tage mit einem gebildeten Pariser über Kunst. Es fiel mir auf, daß er immer ec cétéra statt et cétéra sagte. Dabei war er im Lateinischen sehr gut beschlagen. Als er immer wieder den Fehler machte, konnte ich nicht an mich halten und sagte: „Hören Sie mal, Sie sagen immer ec statt et. Sie wissen doch, daß das falsch ist. Warum tun Sie es?“
«Parceque c’est plus beau,» sagte er.