Vor zirka sechs Jahren schrieb ich eines Tages über „Türme“, und ich finde folgende Sätze wieder, an die ich heute anknüpfen möchte:
„Jede Stadt hat ihren Turm, ihr Wahrzeichen.
Luxemburg hat jetzt seinen Sparkassenturm, von dem man sich gerne vorstellt, daß in seinom massiven Unterbau die Schätze ruhen, die der Sparsinn des Volkes dort zusammenträgt. Lassen wir das Volk bei diesem Glauben.
Dieser Turm kann schön sein, wenn er will. Er ist es nicht gleichmäßig von überall. Aber wenn man sich irgendwo aufstellt, wo grünes Geäste das Bild umrahmt, das mit dem Sparkassenturm im Hintergrund erscheint, so ist er wirklich schön und man vergißt, daß sein massiver Unterbau nicht die Schätze birgt, die der Sparsinn, des Volkes dort zusammenträgt.“
Ich konnte es nämlich diesm monumentalen Turm nie verzeihen, daß er so dick und vornehm tut und doch weiter nichts beherbergt, als die W.-C.-Räume für das Büropersonal.
Jetzt wäre Gesegenheit, ihn in seiner sozialen Stellung, sozusagen, ein wenig zu heben und ihm eine weniger anrüchige Bedeutung zu geben.
Kurz nachdem hier von den Türmen die Rede war. schrieb mir Paul-Eyschen zu demselben Thema und unterstrich hauptsächlich den Sparkassenturm. Ich glaube mich zu erinnern, daß er schrieb. dieser Turm sei wie ein Mahnfinger, der uns ernst und eindringlich die Notwendigkeit des Sparens einprägen wollte. Und dieser Turm sei wie geschaffen als Uhrturm, da er weithin sichtbar und zudem auf dem Wege zum Bahnhof gelegen sei.
Ich hörte, sie seien in diesen Tagen damit beschäftigt die alten elektrischen Uhren durch neue zu ersetzen. Der unerhörte Standal der toten öffentlichen Uhren, die herum hängen und die Zeit anzeigen, zu der das Leben aus ihnen endgültig entschwunden ist, hat wirklich lange genug gedauert. Es wird eine Weile brauchen, bis sich das Publikum wieder daran gewöhnt, sich nach den öffentlichen Uhren zu richten und nicht jeder Bettelbub einen mehr auf der Straße anhält mit der Frage: „Her, wivill Auer aß et?“
Nun wäre es also auch an der Zeit, die Idee Paul Eyschen’s zu verwirklichen und die Uhr am Turm der Sparkasse anzubringen. Es gibt in der ganzen Welt keinen Platz, der für eine öffentliche Uhr geeigneter wäre. Jeder weiß aus Erfahrung, in welcher Unsicherheit er lobt, wenn er an die Bähn soll und keine Uhr im Hause richtig geht. Die Uhr der Mutter hat als Damenuhr das Recht überhaupt nicht zu gehen. Die Uhr des Sohnes ist immer beim Uhrmacher und der Vater weiß nicht recht, ob seine fünf Minuten vor oder fünf Minuten nachgeht. Wer nun in dieser Unsicherheit an die Bahn laufen muß, lebt die ganze Zeit über in der Angst, daß er nicht mehr zurecht kommt. Welche Wohltat wäre es da, wenn ihm die Sparkassenturmuhr auf die Minute zeigte, was es geschlagen hat und wie schnell oder wie langsam er zum Zug laufen muß!
Hier ist eine Gelegenheit, ein Fragezeichen, eine Unsicherheit aus unserm öffentlichen Leben zu beseitigen, ein Nichtwissen. Erratenmüssen durch ein Wissen zu ersetzen. Der Stärkste ist immer der, der am meisten sicher weiß.