Es wäre jetzt vielleicht einmal an der Zeit, ein Wort über eine Kategorie von Landsleuten zu sagen, die im Krieg eine besondere Rolle gespielt haben.
Ich meine die, die aus irgend einem Grunde im Ausland, speziell in Frankreich, in der Schweiz und in Belgien Zuflucht gesucht hatten oder dorthin verschlagen worden waren.
Den einen davon sind wir Dank schuldig. Sie haben inmitten der Orgie von Entstellung, Verleumdung, Phantastik, die nach Kriegsausbruch lostollte, nach bestem Wissen und Können die Wahrheit über ihre Heimat gesagt und aller bewußten und unbewußten Lüge die Stirn geboten, und sie haben durch Wohltaten, bei denen die Rechte nicht wußte, was die Linke gab, den Segen vieler Unglücklichen auf den Namen Luxemburg herabgerufen.
Die andern aber haben sich draußen als Nachfolger der Firma Krapulinsky und Waschlapsky aufgetan. Sie haben sich eine Liste aller Landsleute aufgestellt, gegen die sie offen oder verborgen Haß, Neid, Mißgunst, Rachsucht oder sauer gewordene Erkenntlichkeit im Herzen trugen, und haben den Adel ihrer Gesinnung dadurch an den Tag gelegt, daß sie diese Landsleute, so weit sie reichen konnten, als «Boches» anschwärzten.
Richts leichter, als das. Die Kinemapsyche der Massen flog im Krieg blindlings auf jede Rute, die mit solchem Leim bestrichen war. Wer in Paris, Genf oder Brüssel einen Landsmann, den niemand kannte, als «Boche» bezeichnete, konnte sicher sein, daß man ihm glaubte, vorläufig wenigstens, und daß man jenem mißratenen Luxemburger mit geballten Fäusten fluchte. Eine Kontrolle war unmöglich. Und so schwelgten diese Helden in Verleumdung, wateten darin knöcheltief, weil sie wußten, daß sie es mit Erfolg und ohne Verantwortung taten. Sie sind von dem Stoff, aus dem die edeln Seelen gemacht werden, die die anonymen Briefe schreiben. Dieser oder jener von ihnen hatte noch keinen anonymen Brief riskiert, weil er nicht orthographisch richtig schreiben kann. Jetzt hatte er Gelegenheit, seine anonymen Briefe zu reden. Er konnte vielleicht auch nicht einmal anonym richtig reden, aber Franzosen und Schweizer merkten das nicht.
Inzwischen hat sich das Blatt ein bißchen gewendet. Die betreffenden Individuen sind aus der freiwilligen oder unfreiwilligen Verbannung zurückgekehrt, und nach und nach wird bekannt, was sie draußen in Firma Krapulinsky und Waschlapsky getätigt haben. Man wird alles unter die Lupe nehmen, man wird untersuchen, welches Recht sie und viele andern ejusdem farinae hatten und noch haben, ihre Landsleute als «Boches» zu bezeichnen. Und vielleicht wird eines Tages - der nicht sehr fern zu sein braucht - die öffentliche Meinung einsehen, welches ekelhafte Spiel heute von Unberufenen mit dieser Etikettierung gespielt wird, und wie viele von denen, die am lautesten das moderne Nachkriegsschimpfwort andern ins Gesicht schreien, wohl daran täten, sich bei der eigenen Nase zu fassen.