Ich habe nichts gegen die Telephongesprächstaxe von 10 Centimes. Ich hätte sogar nichts dagegen, wenn sie das Doppelte und Dreifache betrüge. Es wird viel zu viel telephoniert, und von Leuten, die sich nichts oder wenig zu sagen haben. Nur fürchte ich, daß die Telephongeschwätzigkeit durch die Taxe am wenigsten eingedämmt wird. Warten wir ab.
Was ich heute sagen wollte, ist dies. Vor einigen Tagen verlangte ich eine Verbindung, sagen wir einmal 2113. Das Telephonfräulein wiederholte: 2119. Ich schrie zurück: 2113! Aus weiter Ferne hörte ich die zarte Stimme etwas dagegen rufen, was eine mindestens siebenfache Deutung zugelassen hätte. Gleich darauf hing natürlich der Mann von 2119 an der Quasselstrippe: „Hier Schrobiltgen, wer da?“
„Verzeihung, Herr Schrobiltgen, es ist ein Irrtum,“ sagte ich. „Hängen Sie bitte ein!“
Herr Schrobiltgen rief darauf in den Trichter etwas, was keineswegs eine siebenfache Deutung zuließ, und worauf ich entgegnete: „Sie mir auch!“
Ich wartete eine Weile und kurbelte wieder los. Die junge Dame am Telephon schien nicht abgeneigt, sich mit mir in ein längeres Zungengefecht über die Nummern 2113 und 2119 einzulassen, aber da ich wenig Zeit und noch weniger Geduld hatte, sprach ich ein Machtwort und verlangte kurzerhand meine Verbindung.
Man ist manchmal trotz allem noch Idealist. Ich hielt es darum nicht für ausgeschlossen, daß ich meine Verbindung bekäme. Aber es mußte plötzlich etwas an der Leitung desekt geworden sein. Erst als statt der Frauen- eine Männerstimme im Apparat erscholl, kam wieder Zug in die Geschichte und die Postverwaltung in die Lage, mir den Gegenwert der Gesprächstaxe zu liefern, die sie mir nächstens abknöpfen wird.
Dann aber wird es möglicherweise zu einem Zusammenprall kommen.
Die Telephondame hatte mich zuerst falsch verbunden. Sie kann immerhin behaupten, ich hätte wirklich 2119 und nicht 2113 gesagt, hätte mein Gespräch mit 2119 erledigt und dann erst 2113 verlangt, unter dem Vorwand, die erste Verbindung habe auf einem Irrtum beruht. Sie wird mir also zwei Taxen aufschreiben. Der Herr, der dann schließlich die Verhindung hergestellt hat, wird mir die dritte Taxe vormerken, und so werde ich für das Vergnügen, mich zehn Minuten lang über unser Telephon ärgern gedurft zu haben, drei Gesprächstaxen bezahlen müssen.
Das heißt, ich weiß nicht, ob die Post es darauf will ankommen lassen. Ich habe mir jedenfalls die Sache genau notiert und werde eventuell meine Rechte mit dem Mut eines Löwen und der Schlauheit einer Schlange durchzusetzen wissen. Es handelt sich allerdings nur um vier Sous. Aber: Wer den Pfennig nicht ehrt, ist des Talers nicht wert,“ heißt ein Sprichwort aus der Zeit, wo der Taler noch 3 Francs 75 Centimes wert war.
Im übrigen bescheinige ich der Postverwaltung meines Landes gerne, daß sie die miserabelste, schäbigste, ausgeleiertste Fernsprecheinrichtung der zivilisierten Welt von ihren Vorgängern geerbt hat und daß sie besser daran täte, ihre Reformlust in der Modernisierung unseres Telephonwesens auszutoben, statt auf den englischen Quäkersonntag loszusteuern.