Ein paar Leute, denen Zeitungen zur Verfügung stehen, haben sich in den letzten Tagen eine wahnsinnige Mühe gegeben, mir den „Boche“ anzuhängen.
Ich habe schon gesagt, ich würde es als geschmacklos betrachten, mich grade jetzt, wo die Franzosen im Land sind, als franzosenfreundlich aufzuspielen. Ich bin weder Franzose noch Deutscher, lege also durchaus keinen Wert darauf, daß mich die einen oder die andern für sich in Anspruch nehmen. Ich bin aus Überzeugung und mit Leidenschaft Luxemburger, und so lange es ein Luxemburg gibt, will ich dazu helfen, soviel an mir liegt, daß es frei und möglichst ungeschoren bleibt.
Ich halte es indes für interessant, Einiges aus der Kampfesweise meiner Verleumder hier festzunageln.
«Le Luxembourgoois», der in Paris während des Krieges erschien, enthielt kürzlich einen Artikel gegen mich. In der Nummer war bemerkt, es sei die letzte. Das „Escher Tageblatt“ erklärte, die Verantwortung für die Unwahrheiten seines Pariser Kollegn zu übernehmen und öffnete dieser Tage seine Spalten einem Herrn Siegen aus Paris der mir an Hand von drei Äußerungen nachweisen wollte, ich sei «un journaliste germanophilc et francophobe». Bis jetzt hat das „Escher Tageblatt“ für meine Antwort noch keinen Platz gefunden. Das Beweismaterial des Herrn Siegen besteht aus ein paar Sätzen, die im Zusammenhang genau das Gegenteil von dem bedeuten, was er daraus herauslesen will.
Der letzten Nummer des «Luxembourgeois» ist nun aber noch eine allerletzte gefolgt, in der die Naivitäten des Herrn Siegen ebenfalls abgedruckt sind. Da das Blatt verschwindet, ist mir die Möglichkeit benommen, mich mit einer Richtigstellung an seinen Leserkreis zu wenden. Ritterlich, wie?
Die «Indépendance Luxembourgeoise» unterdrückt in einer Antwort, die sie von mir veröffentlichen mußte, eine Stelle, die sie direkt provoziert hatte. Aus purer Kollegialität und wiederum Ritterlichkeit?
Dasselbe Blatt schimpft uns „Boche“ wegen einer Meldung, die am Dienstag, 11. August 1914, in der „Luxemburger Zeitung“ stand. Ich bin ihm dankbar dafür, daß es mir Gelegenheit gibt, darauf zurückzukommen.
An der Spitze der genannten Nummer, Abendausgabe vom Dienstag, 11. August 1914, Nr. 223, standen zwei Meldungen dicht untereinander. Die eine war betitelt „Der erste gefallene deutsche Offizier“, die andere „Der erste auf deutschem Boden gefallene Franzose“. Die Absichtlichkeit der Zusammenstellung sprang in die Augen, zumal die Überschriften von der Redaktion stammten. In der ersten Meldung hieß es, der gefallene deutsche Offizier sei in Jonchery mit militärischen Ehren begraben worden, in der zweiten wird der gefallene Franzose mit empörender Entstellung geschildert. Ich erinnere mich sehr genau, wie ich damals in Klammern dahinter schrieb: Ein bißchen viel auf einmal.
Diese Zusammenstellung und Bemerkung trugen mir, wie verschiedene andere derselben Art, von hier ansässigen Deutschen eine Tasche voll anonyme Postkarten ein, die mir mit Verhaftung, mit Anzeige beim kommandierenden General, mit Unterdrückung der Zeitung usw. drohten und die saftigsten Schimpfwörter gegen mich und das Blatt enthielten.
Ich freue mich also mit Recht, daß die «Indépendance Luxembourgeoise» grade diesen. Beleg für unsern Franzosenhaß ausgegraben hat.
Wenn sie sich so weiter lächerlich machen will, wie sie es in den letzten Tagen mit durchschlagendem Erfolg getan hat, braucht sie nur so fortzufahren. Sie und die andern Herren, die das Kriegsbeil gegen mich ausgegraben haben, werden hoffentlich bald einsehen, daß der, demzulieb sie sich blamieren, soviel Liebesmüh gar nicht wert ist.