Ich habe ein Wunder gesehen: Ein Nichtrauchercoupe, in dem nicht geraucht wurde!
Es war nicht in einem Orientexpreß, es war nicht auf einer der großen internationalen Eisenbahnlinien, es war auf einer ganz gewöhnlichen Autobusfirecke im luxemburger Ländchen.
Nicht nur, daß in diesem Autobus nicht geraucht wurde, der Schaffner war höflich, der Wagen rasselte nicht und rüttelte einem die Eingeweide nicht durcheinander, wie Makkaroni, der Chauffeur wußte zu fahren, die Sitze waren sauber und bequem, die Beleuchtung des Abends al giorno, kurzum, es war ein Autobus, der seinen Erfolg vollauf verdiente.
Denn Erfolg hatte er, Himmelheiligkreuzdonnerwetter ja! Von nah und fern strömten sie zusammen, ein ganzer Kanton, um den neuen Autobus zu sehen und zu probieren. Und der ganze Kanton verschwand im Innern des Autobus. An den Haltestellen war es manchmal, wie bei einer Zaubervorstellung, wo der Bosco aus seinem Zylinderhut nacheinander ein Kaninchen, ein paar Tauben, einen Blumenkorb, noch ein Kaninchen, noch ein paar Tauben, noch einen Blumenkorb, eine weiß gewaschene Jungfrau, mehrere hundert Meter Papierband, eine brütende Henne, samt Rest usw. usw. hervorgaubert. Immer, wenn man dachte: Jetzt kann niemand mehr drin sein! stieg noch jemand aus und sagte: So, da wären wir wieder einmal! Comment ça va? Und wenn man dann einsteigen wollte, prallte man vor Verblüffung zurück, denn drinnen saß es noch so voll, als ob überhaupt niemand ausgestiegen gewesen wäre. Und die Hauptsache, man vertrug sich, man wäre im Notfall sogar bereit gewesen, einander auf den Schoß zu nehmen.
Und wie gesagt das Rauchverbot wurde streng eingehalten. Der Schaffner setzte es freundlich, aber energisch durch, und die Pfeifenraucher steckten folgsam ihre Kloben in die Tasche. Einer stellte das Prinzip auf: Wer sich nicht eine halbe Stunde des Rauchens enthalten kann, ist ein armseliger Tropf! Ein Mann aus dem Volk aber blieb hartnäckig und brannte sich seine Zigarette immer wieder an, sobald der Schaffner den Rücken gedreht hatte, Aber der Schaffner roch sofort den Knaster und redete dem Widerspenstigen freundlich zu. Als dieser einwandte, diese Sorte Zigaretten halten das Feuer merkwürdig lang sagte der Schaffner, dann sei die Sache sehr einfach, und drückte das brennende Ende zwischen Daumen und Zeigefinger aus. Er hatte das Publikum für sich. An der nächsten Station kletterte der Dauerraucher hinaus und stellte sich zu dem Klumpen. der den Gepäckraum vorne als Stehplatz benutzte.
Vielleicht hatte der Mann wirklich das unabweisliche Bedürfnis zu rauchen. Obschon ich es nicht glaube. Ein zivilisierter Mensch, der sich auch nur ein ganz klein wenig in der Hand hat, muß sich eine und zwei Stunden des Rauchens enthalten können, auch wenn ihm das Nikotin in Fleisch und Blut übergegangen ist. Wir halten es ja auch Stunden und halbe Tage aus, ohne zu essen und zu trinken, Sie werden sagen, das sei auch nur gezwungen, weil es umständlich sei. Essen und Trinken überall mitzuführen während jeder Raucher alles, was er zur Befriedigung seiner Lust braucht, bequem in der Tasche trägt. Aber ein Schnapsbruder kann ja auch sein Fläschchen bei sich haben. Und dennoch fällt es ihm nicht ein, es alle fünf oder zehn Minuten an die Lippen zu setzen.
Bedenken Sie außerdem: Essen und trinken kann jeder, ohne andre in Mitleidenschaft zu ziehen, der Raucher aber kann unter Umständen alle belästigen, die mit ihm denselben Raum teilen und dieselbe Luft atmen. Die elementarste Regel der allerelementarsten Zivilisation ist es also, daß der Mann auf seinen Schnuller verzichtet, solange andre Leute darauf angewiesen sind, mit ihm in einem Raum sich aufzuhalten, in dem das Rauchen verboten ist.
So gern ich mir im Autobus und sonstwo die Zeit mit Rauchen vertreibe, dem neuen Autobusunternahmer muß ich recht geben, wenn er das Rauchverbot streng durchführt.
Sobald man weiß, es ist für einen, wie für den andern, fügt man sich gerne.
Im Übrigen ist dem neuen Autobus und allen Autobussen, die nach denselben Prinzipien fahren und verfahren, solange Erfolg zu wünschen, bis sie durch ihren Erfolg die Notwendigkeit einer neuen Bahn dargetan haben.
Zu diesen Prinzipien gehört als erstes das, daß der Unternehmer das Publikum nicht als eine Art Steinbruch ansieht, den man mit Hauen und Stoßen abbaut, sondern als die Partei, die ihn bezahlt und der er für ihr Geld seine Leistungen so höflich und zuvorkommend wie möglich verkauft.
Weißt du, welchen neuen Autobus ich meine? Rat’s.