Suchen Sie bitte nicht weiter nach den Ursachen der Unzufriedenheit, die die Menschheit von heute in Aufregung hält. Ich habe sie entdeckt und ich will Ihnen sagen, worin sie bestehen.
Das Ganze liegt einzig und allein daran, daß zuviel Menschen lesen gelernt haben.
Ich behaupte nie etwas ins Blaue hinein, ohne feste Unterlagen. Ich stütze auch obigen Ausspruch auf bestimmte Tatsachen.
Die Aufführung der «Aventurière» vor einigen Wochen hat mich veranlaßt, die Theaterstücke von Argier wieder durchzulesen. Gestern abend las ich das Schauspiel «Maitre Guérin». Darin kommt ein Herr Descarterets vor, der sein Vermögen in allerhand Erfindungen verplempert. Zuletzt hatte er eine Methode erfunden, die er Statilegie nannte und mit deren Hilfe er den Kindern in 48 Stunden das Lesen beibringen wollte. Jemand sucht ihn zu entmutigen mit dem Einwurf: „Wenn in Frankreich einmal jedermann lesen könnte, wäre keine Regierung mehr möglich.“
Am Ende des Stückes erklärt Augier in einer Fußnote, die Statilegie sei keineswegs eine Ausgeburt seiner Phantasie, wenn sie auch nicht grade von Herrn Descarterets erfunden sei. In den zwanziger Jahren des 19. Jahrhunderts seien Versuche damit angestellt worden, die zu den überraschendsten Ergebnissen geführt haben. Die Methode hieß nach ihrem Erfinder de Laffore «la méthode Lafforienne».
Aber da haben sich die Behörden ins Mittel gelegt, ein paar Jahrzehnte nach der glorreichen französischen Revolution, und die Erfindung unterdrückt „wegen der sozialen Gefahren“, d. h. weil die Behörden eine Gefahr darin erblickten, daß zuviele Bürger im Staat des Lesens kundig würden.
Diese Bedenken haben spätere Geschlechter in den Wind geschlagen, sie haben mit Hochdruck dahin zu wirken gesucht, daß möglichst viele Kinder lesen lernten, sie haben Gesetze gemacht, die der Jugend den Schulbesuch als Zwang auferlegten, sie haben Statistilen aufgestellt, um die Zahl der Analphabeten zu ermitteln und die Länder, die die meisten Analphabeten hatten, der Verachtung der zivilisierten Welt preiszugeben.
Und heute haben wir die Bescherung. Heute hat sich die soziale Gefahr, die die Behörden vor hundert Jahren hinter der Statilegie witterten, verwirklicht, und es ist die höchste Zeit zum Bremsen.
Also schaffen wir den Leseunterricht gradatim ab. Es ist genug, daß der Lehrer und die Lehrerin lesen können, um den Kindern nach dem Gehör die Katechismusfragen einzupauken und ihnen ihre Bürgerpflichten beizubringen.