Wir brauchen dem Mann an der Wetterschalttafel für diese Ostern nicht zu danken.
Ich fürchte, der Krieg hat auch die schönen Ostern zerschlagen. Aus der Zeit vor 1915 erinnere ich mich einer Reihe der herrlichsten Ostertage. Und wenn es am Charsamstag regnete und schneite und graupelte, Sonntags stieg die Sonne in einen wolkenblauen Himmel hinauf und aus wolkenlosem Firmament hinunter.
Ich schlug vorhin neugierdehalber nach, was ich über Ostern 1914 geschrieben hatte. Lieber lasse ich Dich, lieber Leser, in Erinnerung mitschwelgen, als daß ich eine Spalte lang über das verregnete Ostern 1920 weiterschimpfe.
„Blühende Gärten an der Mosel. Die runden Kirschblütendolden sitzen dicht aneinander an den Zweigen und gleichen reihweise aufgespießten Schneeballen. Weiß gekalkte Stämme leuchten in der Sonne, alle unter demselben Wind von klein auf in dieselbe Richtung gebogen. Die Pflaumenbäume haben weiße Puderperücken, dazwischen stäubt es rosa in duftigen Wolken: blühende Pfirsichbäume. Die Erde ist schokoladenbraun und freudig grün.
Wie Atlasseide glitzert die Mosel. Von Bergkämmen, die Schlehdorn und kümmerliche Eichenbüsche krönen, kommt ewig fließend der sanfte Schwung der Weinberge und weckt die Vorstellung, daß in Millionen Rinnsalen der Rebensaft da herunter rieselt.
Ein schwerer Schiffsrumpf liegt träge an der Ankerkette. Das Gleiten des graugrünen Wassers streichelt seine Flanken. Die Schwanzflosse des Steuers steht fest. Man setzt sich in die Sonne auf das Ufergeländer und spinnt seine Gedanken um den toten Schiffsrumpf. Er duftet kaum merklich nach Teer, und das hilft den Gedanken spinnen. Denn an jeden Geruch knüpfen sich Erinnerungen, die den Gedanken Wege weisen.
Ferne geht das feine Filigran eines Brückengeländers über den Fluß. Talaufwärts ist ein feiner Dunst, der das Sonnenlicht sängt und es als Schleier vor die Landschaft legt. Alles ist hier wohltuend deutlich, aber flach und weich im Relief, da talab jeder Vorsprung sich kräftig heraushebt und auf Deutlichkeit hält. Wie wenn im Orchester die Violinen auf einmal den Dämpfer vom Steg abnehmen.
Wandervögel ziehen die Straßen vorbei, mit hochgepackten Rucksäcken. Einer kitzelt auf seiner Mandoline: Feinsliebchen, du sollst mir nicht barfuß gehn - und den Rest des Tages werde ich es nicht mehr los: Tralala, tralala, du zertritist dir ja deine Füßlein schön!
Elf Uhr abends. Der Mond kommt über die Uferberge und steht wie ein Feldherr am Himmel und läßt die Wolken Revue passieren. Auf dem ganzen Marsfeld des Himmels ist es ein gleichmäßiges Schieben der Wolkenregimenter an ihrem blitzblanken Feldherrn vorbei. Aus den Häusern am Ufer fallen die Lichter ins Wasser und zittern darauf, wie die Mandolinentöne der Wandervögel.
Morgens im Kahn. Ein steifer Nordost kämmt die Wellen gegen den Strich und sie machen krumme Rücken und eine wirft der andern den schaukelnden Nachen zu. Ein Autobus rasselt mit einem langen Staubschweif die Straße vorüber .... es gibt also noch etwas wie einen Bahnhof, zu dem man fahren muß, und etwas wie eine Stadt, die einen wieder haben will.“