Ein Freund schreibt mir:
„Seit einigen Tagen sind die Maurer damit beschäftigt, den Verputz auf der Einfriedigungsmauer der neuen Schule in der Aldringerstraße abzuspitzen, wohl mit der Absicht, denselben zu erneuern. Das Projekt, diesen allzusehr an den Gefängnisstyl anlehnenden Abschluß durch ein modernes Gitter verbunden mit einer Wartehalle an der Kreuzung der Elektrischen, zu ersetzen, scheint demnach von der Stadtverwaltung aufgegeben zu sein.
Es ist dies sehr zu bedauern, da eben jetzt das ganze Viertel durch die Monumentalbauten zweier Banken in der Aldringerstraße, ein großstädtisches Gepräge erhalten soll.
Wenn Verwaltungen und Private zur Verschönerung der Stadt aus ihren Mitteln beitragen, darf der Gemeinderat nicht vor einer relativ geringen Ausgabe zurückschrecken und im Interesse der Allgemeinheit, zu einem wirklich künstlerischen Ausbau eines Stadtviertels ein Scherflein beitragen.“
Der junge Mann hat unbedingt Recht. Der Platz an der Schule und an der Post könnte einer der schönsten der Stadt perden. Das großstädtische Gepräge, von dem mein Freund spricht, könnte noch ganz bedeutend dadurch erhöht werden, daß der Platz der alten Kaserne für großzügige moderne Geschäftsbauten mit schönen Etagenwohnungen freigegeben würde. Es kann nicht oft genug wiederholt werden: Wer Handel und Wandel in einer Stadt beleben will, muß dafür sorgen, daß sich die Bevölkerungszahl hebt. Die Bevölkerung Altluxemburgs bleibt notwendig stationär, solange nicht für mehr Wohngelegenheit gesorgt wird. Heute liegt dieser ganze Kasernenplatz brach, statt daß darauf reiche Ernten wachsen könnten. Er braucht nur mit Menschen bepflanzt zu werden.
Nun zurück zur Schulmauer: Es ist ja wahr, daß der verfallende alte Verputz keinen ästhetischen Anblick gewährt. Aber gerne ertragen wir diesen Anblick noch Jahr und Tag, wenn wir die Gewißheit haben, daß dann die Mauer verschwindet und einem Gitter Platz macht, eventuell mit einer schmucken Wartehalle, wie es seinerzeit geplant war.