Ich verzeichne einen Wendepunkt in unserer Geschichte: Ich habe soeben den ersten luxemburgischen Offizier in seiner neuen Khakiuniform gesehen.
Wie beliebt? Sie meinen, das wäre kein Wendepunkt? Wo haben Sie Ihre Augen?
Ich sah den Offizier in Khaki neben einem Kameraden einherkommen, der noch in der alten Uniform stak, und mir war zumut, als ob die alte und die neue Zeit leibhaftig in Fleisch und Bein auf mich zukämen. Unsere alte Uniform ist die holländische Zeit, mit einem österreichischen Psropfreis, dem Käpi, das wir der Anhänglichkeit des vorletzten Nassauers an das Haus Habsburg verdanken.
Die neue Uniform ist die neue Zeit, in der wir an Holland und Nassau und Österreich als an Dinge denken, die jenseits eines tiefen, breiten Abgrundes weit hinter uns liegen. Sie ist der Rock und Hose gewordene Internationalismus. Sie hat von allem etwas, von den Franzosen, den Belgiern, den Engländern. den Amerikanern. Von den einen fast den Schnitt, von den andern fast das Käpi, von den deitten fast die Farbe. Und sie wird sich trotzdem wieder als etwas Eigenes durchsetzen. Nur daß sie nicht mehr so auffallen wird, wie die alte. Wenn ein Deutscher unsre Offiziere mit den breiten Streifen an den Hosenbeinen sah, reagierte er sofort mit: Generalstab! Diese breiten roten Streifen waren wie ein zorniger Protest gegen das Schwarz der übrigen Uniform. Unsre Soldaten waren uniformiert nicht wie Krieger, sondern wie Leute, die immer gerichtet sein wollen. um zu einem Begräbnis zu gehen.
Aus dem breiten reten Streifen ist ein dünnes, bescheidenes gelbes Litzchen geworden. Das Ganze sieht mehr nach Sport, als nach Zeremonie aus. Nur Käpi, Riemongeug, Metallknöpfe und die dünne Ausmusterung unterscheiden die Tracht von der einer biederen Zivilisten. Das schickt sich übrigens für ein Volk in Waffen, daß das zweierlei Tuch immer einerlerer wird.
Unsre alte Uniform war nicht schön, sie war trist, lebensunfroh, quäkerhaft und mit dem österreichischen Topftschako beinahe grotesk. Aber wenn man ihr im Ausland begegnete, freute man sich. Ich erinnere mich der Tage, wo unsre Militärkapelle auf einer Frankfurter Ausstellung kongertierte. Ein Stück Heimat, auf das wir stolz waren. Und damals, als ich in Amsterdam dem feierlichen Einzug der jungen Königin beiwohnte und das holländische Militär sah, das beinahe dreselbe Uniform trug, wie unseres, da kam es mir vor, als sei ich bei reichen Vettern auf Besuch.
Das war die alte Zeit. Heute aber magst du hingehen, wohin du willst, nach London Paris, Brüssel, Newyork, jeder Soldat und Offizier wird dich an unsre heimischen Krieger erinnern, weil sie eben von allen etwas haben, weil sie wie ein Durchschnitt durch alle sind. Weil unsre neue Uniform ein Symbol unsrer neuen Zugehörigkeit ist.
Ich wünschte, wir trügen diese Zugehörigkeit so elegant, wie unsre Offiziere ihre neue Uniform. Denn sie ist sehr kleidsam, die neue Uniform, und ich begreife, gnädiges Fräulein, das Bedauern, mit dem Sie bei deren Anblick ausriefen: We’ Schu’ed, daß e@ de Gust net me’ derbei aß!
Auch die Mannschaften sind zu der neuen Uniform zu beglückwünschen. Sie gibt ihnen endlich Gelegenheit, ihre Revanche an den verflixten Sammies zu nehmen, die mit ihrem Khaki den Mädels die Köpfe verdrehten, während unsre Leute in ihrem fadenscheinigen schwarzen Zeug zähneknirschend abseits standen. Das hört jetzt auf. Wir haben, frei nach dem Feierwon, den Weg zum ewig großen Völkerthakt gefunden.