Original

27. Mai 1920

Also in Zukunft sollen die Jäger 200 Fr., statt früher 50, für das Vergnügen bezahlen, Tage lang ihre Flinte über Stoppeläcker zu tragen. Denn darauf kommt es heute in den meisten Fällen heraus. Sie bezahlen und die andern essen oder verkaufen das Wild.

Die Steigerung hat eingestandenermaßen den Zweck, Geld einzubringen, viel Geld, mehr Geld.

Diesen Zweck wird sie natürlich nicht erfüllen. Sie wird eine ganze Kategorie von anständigen Jägern einfach von der Liste streichen. Es sind grade die, denen die Jagd mehr ist, als ein Sport unter vielen und ein Gelderwerb. Es sind die Jäger bei denen das Waidwerk noch das Beiwort „edel“ verdient, die seine Schönheiten verstehen und damit nie Randbau getrieben haben. Wenn denen die Jagd zu arg verteuert wird, gehen sie nicht mehr mit, denn sie sind von der Sorte, die immer „bar bezahlt was sie verzehrt“ und sich nicht ein Vergnügen auf Umwegen verschafft, das ihr auf gradem Wege nicht zugänglich ist. Die Durchschnittsqualität der St. Hubertus Jünger wird dadurch nicht verbessert. Dann bleiben also nur die, denen es auf 200 Fr. nicht anzukommen braucht, und die andern, die ihr Wild ohne Jagderlaubnisschein fangen und schießen.

Ich möchte Herrn Neyens ein Mittel angeben, noch viel mehr Geld zu bekommen und zugleich der Jägerei unter die Arme zu greifen.

Durch die Mehrtaxe auf dem Jagderlaubnisschein verscheucht er ganz sicher an erster Stelle auch die Jäger, die am wenigsten Erfolg auf der Jagd hatten. Wenn einer sagt: Es geht mir nur um die Bewegung, ich freue mich meines Tages, auch wenn ich nichts schieße - so werden ihm die 200 Franken für den Waffenschein dies Vergnügen doch derart versalzen, daß er sich künftig lieber ohne Flinte die Bewegung verschaffen wird.

Hr. Neyens sollte also lieber eine Taxe einführen, die außer dem fiskalischen Zweck auch den erfüllen würde, der Jagd zu nützen. Das wäre eine Erhöhung der Hundesteuer.

Die größten Feinde der Jagd sind heute die zahllosen Fixköter und andre Vertreter des Hundegeschlechts, die draußen die Dorfstraßen beleben. Auf Stunden im Umkreis ist kein Wild vor diesen Vierbeinern sicher, in deren Blut die merkwürdigsten Atavismen kreuz und quer durcheinander schwingen und sie hinter jedem beweglichen Lebewesen herjagen. Wenn alles und jedes höher besteuert wird, warum nicht dieses unnütze Kötergezücht, das in den weitaus meisten Fällen keinen praktischen Zweck erfüllt!

Und dann: Ist Ihnen nicht aufgefallen, daß bis jetzt unser Staat mit seiner Geldgier sich ausschließlich auf die ehrlichen Leute geworfen hat? Warum wendet er sich nicht auch einmal an die Spitzbuben und Gesetzesverächter? Wenn ich jährlich 100 Prozent mehr für meine Fischkarte bezahlen muß, bloß weil Hr. Neyens Geld für die Staatskassen braucht, wenn überhaupt alles 5 bis 8 mal teurer geworden ist, als vor dem Krieg, und 10 bis 20 mal teurer, als vor 50 Jahren, so sehe ich nicht ein, warum andre Luxemburger, die statt mit Fischerei sich damit vergnügen, daß sie ihrem Nächsten die Fenster oder ein paar Zähne oder Rippen einschlagen, oder ihm Injurien an den Kopf schleudern, oder daß sie irgendwie über das Schutzgeländer der Gesetze in fremde Rechte einbrechen - warum diese Missetäter ihren Lüsten noch immer zu den uralten Tarifen fröhnen dürfen!

Aber heute ist es die verkehrte Welt. Die Taxen für Jagd- und Fischereischeine haben den Charakter von Bußen bekommen, und für die Frevler werden nächstens Prämien eingeführt.

Greifen Sie doch einmal kräftig zu, Hr. Neyens, schlagen Sie ruher 100 und 200 Prozent auf alle Bußen.

Sie brauchen nicht zu fürchten, daß diese Mehrtaxen prohibitorisch wirken könnten, wie die Jagdscheingebühr. Denn wenn man mit Bußen die Übeltäter aus der Welt schaffen könnte, wäre die Welt schon lange ein Paradies.

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    Katalognummer BW-AK-008-1677