Zwei geplagte Familienmütter (sagten sie) begegneten mir wieder auf ihrem Heimweg vom Markt. Jede trug neben dem gewöhnlichen Einheimsel ein Körbchen mit Erdbeeren. So prosaisch sonst, zumal im Winter, die Marktlast der heimkehrenden Familienmütter ist, so poetisch kann sie aussehen, wenn erst die Blumen und dann die farbigen Gartenfrüchte sich hineinmischen.
Ich mußte aus jedem Korb eine Erdbeere kosten. Erdbeeren soll man im Freien essen, womöglich vormittags, wo Gaumen und Nase noch frisch und unermüdet durch des Tages Gerüche und Geschmäcke sind.
Die beiden Familienmütter waren bei aller Geplagtheit dennoch vergnügt. Das ist ein Geheimnis der Frau, daß sie sich durch Hausfrauensorgen die gute Laune nicht verderben läßt. Der echteste Galgenhumor ist in den Küchen zuhaus, wo sich die Hausfrau den Kopf wegen der Abwechslung im Speisezettel zerbrechen muß. Dafür muß sie natürlich eine Frau mit Hausmutterinstinkten sein.
Geraten nun erst zwei Frauen zusammen so legen sie ihr Leid eins zum andern und daraus wird eitel Vergnügtheit. Da sie in leichtslüssiger Rede ihre Sorgen können hinausströmen lassen, wird es drinnen wieder hell, wie in einem Gemach, aus dem Zuglust den Ofenrauch hinausgeweht hat.
Männer haben nicht diese wunderbare Fähigkeit der Selbstbefreiung durch angeregte Zwiesprache. Sie schütten sich nicht leicht gegenseitig das Herz aus und jeder hat für den andern nur in Ausnahmefällen die Teilnahme, die sich bei jeder Frau für die Schwulitäten der andern regt.
Das Mißtrauen. das im allem Wettbewerb ein elementares Gesetz ist, hindert den Mann an der Aussprache, und das Empfinden, daß er seine ganze Kraft für sich und die Seinen braucht, hindert ihn an der Teilnahme für die Sorgen des andern. Er sieht den Augenblick kommen, wo er wegen Vorspann in Anspruch genommen werden könnte und zeigt sich kühl bis an’s Herz hinan, stellt seine Weichen schon von ferne so, daß der andre vorbei geleitet wird. Es gibt Ausnahmen. Aber sonderbar, eine Frau, die von ihrem Manne weiß, daß er eine solche Aus- nahme ist, liegt gegen die auf der Lauer, von denen sie zu merken glaubt, daß sie seine Teilnahme gewinnen. Sie bangt um’s Nest.
Die zwei geplagten Familienmütter - darauf wollte ist eigentlich kommen - beklagten sich bitter darüber, daß trotz der Verbilligungswelle, die angeblich über Amerika und Europa gehen soll, auf dem Markt die Butter und die Eier noch gar nicht billiger geworden sind. Am letzten Markt hatten sie 5.50 Fr. für die Butter bezahlt, heute wieder 6.50 Fr. Die Welle war also sehr kurz gewesen.
Ich habe dasselbe festgestellt, wie meine beiden Erdbeerspenderinnen. Man sieht noch gar nicht, daß z. B. das Schuhwerk oder daß die Anzüge billiger geworden wären. Wenn man von der katastrophalen Baisse auf dem Ledermarkt liest und sieht ein Paar Schuhe mit 140 Fr. ausgezeichnet, so fragt man sich, wie lange es denn noch dauern soll, bis die Segenswelle auch in unsern verlassenen Winkel hereinschlägt. Wir sind inbezug auf die Ideenwelt lange ein gottverlassenes Rest gewesen, jetzt scheinen wir auch wirtschaftlich irgendwo in einer Ecke zu liegen, wo kein Wellenschlag hinreicht.
Streiken? Dazu fehlt der Zusammenhang zwischen den einzelnen Schichten der Konsumentenwelt. Bring du einmal einer geplagten Familienmutter bei, sie soll vier Wochen lang Pfannekuchen ohne Butter und Eier backen, oder sie soll die Erdbeer- und Johannisbeerzeit vorübergehen lassen, ohne ihren Gelee-Vorrat für den Winter einzukochen.
Preisbewegungen sind wie das Wetter, von interwollte ich eigentlich kommen - beklagten sich bitter kontinentalen Hoch- und Tiefdruckverhältnissen abhängig. Was könnte es da viel helfen, wenn in Luxemburg zwei geplagte Familienmütter streikten?
Also meine verehrten Damen, ich kann Ihnen wirklich nicht helfen. Wenn ich die Regierung wäre, würde ich sagen: Wir lassen die Frage studieren, sie liegt vor dem Staatsrat, wir haben eine Kommission von Fachleuten ernannt. So aber kann ich Sie nur auf’s geduldige Abwarten verweisen. Zum Glück sind auch darin die Frauen Künstlerinnen. Was täten Sie manchmal, wenn Sie die Geduld des Wartens nicht im Blut hätten?