Eines schönen Tages saß eine fröhliche Gesellschaft von Luxemburgern auf einer fernen Insel im Weltmeer bei einer Tasse Kaffee. Man saß und lag im Schatten eines graubemoosten Felsens. der aus dem Boden schief heraufstand, wie der Kopf eines Alligators aus dem Wasser. Das seidig schimmernde Meer lief in leiser Dünung auf den Sand, und seine blaue Fläche hatte dort, wo es sich an den Felsen kräuselte, eine Verbrämung wie von Schwanenflaum. Am Horizont standen die bunten Segel der Sardinenfischer, und ein schnerweißer Leuchtturm fiel immer wie ein zudringlicher Fleck auf die Netzhaut.
Man war zu faul zum reden. Nur hie und da gab einer im Telegrammstyl eine kurze Äußerung von sich: Wie z. B. daß sie jetzt daheim am Paradeplatz eine Partie „Köscht“ machten. Oder wie merkwürdig es sei, daß man den Hummer à l’amériraine überhaupt nicht müde wurde. Oder daß sie zu Arlon eine Tasse schwarzen Kaffee eine „Täsy Hötzy“ nennen.
„Wie lieb!“ sagte einer, dem grade die Zigarette aus dem Mund gesallen war.
„Was lieb?“ fragte ein andrer.
„Täsy Hötzy“ lallte der erste. „Könny, Blimmy, Jengely“.
„Endely Mändely, Siddely Sadely“ zitierte ein dritter aus seiner Jugend einen Kinderreim.
Auf einmal schlug er eine laute Lache auf.
„Seht Euch um, überlegt, wie wir alle heißen! Die richtige Kleinkinderschule!“
Die bärtigen, ernsten Männer, die alle tief in des Lebens Kämpfen drin standen, blickten einander an und eine Weile dauerte es, da lachten sie alle mit.
„Zu dumm!“ sagte einer.
„Echt luxemburgisch“ ein andrer.
Es war nämlich nicht ein einziger darunter, dessen Namen nicht im Diminutiv auf i oder y auslautete: Lori. Tiny, Harn. Nicki, Biny, Tity, Hanny, Charly, Ferdy. Edi, Thedi, Vicki usw.
Am meisten lachten sie über den Männy, unter dessen dicken Jegdschuhen die Insel zitterte.
Sie überlegten, wie es wohl komme, daß wir in Luxemburg auch die wuchtigsten Schwergewichtathleten mit Namen nenuen, die auf Wickelkinder passen. Wir haben es sogar fertig gebracht, das Monstrum von Eisenbahnzug, das alle paar Stunden die Stadt durchlärmt, durchstampft, durchräuchent und drchstinkt, Charly zu nennen.
Sie dachten lange darüber nach und kamen zu leinem Ergebnis. Da gingen sie lieber auf den Fischund Hummernfang und vertagten die Frage bis über’s Jahr, unter Absingen des lieblichen UhlandMeyerbeeischen Liedes: Wann treffen wir uns. Brüder - Auf einem Schifflein wieder?