Am Fest Johanni jährte es sich zum 55. Male, daß eine Feuersbrunst Fels zerstörte.
Tags darauf hatte Herr N. Steffen ein Gedicht fix und fertig, das die Katastrophe beschrieb und zu milden Gaben für die Unglücklichen aufrief.
Die Zeitungen jener Tage sind voll flammender Aufforderungen an die Mildherzigkeit aller Luxemburger.
Man muß daraus schließen, daß es damals noch wirklich ein Unglück war, wenn man abbrannte. In den Jahren vor dem Krieg schien es manchmal das Gegenteil. Und es ist tatsächlich auffallend, wie von der Zeit an, wo das Bauen so teuer geworden ist. so wenig Brände zu verzeichnen sind. Vor dem Krieg las man jeden Tag in den Blättern, daß es an drei, vier, fünf verschiedenen Orten gebrannt hatte. Die Feuersbrünste waren eine stehende Rubrik. Heute sind sie fast ganz verschwunden und durch die Einbrüche und Diebstähle ersetzt.
Ich bin auf diesen Gegenstand verfallen, weil ein Freund mir das Gedicht von Steffen zeigte - es ist nicht schlechter, als andre - und weil andre Freunde mir von einem schönen Ausflug nach Fels erzählten, den sie kürzlich unternommen hatten. In meiner Erinnerung tauchte es auf, wie manchmal Leute durch’s Dorf kamen und „für ein neues Dach“ sammelten. Die Feuarsbrunst von Fels warf ihren blutroten Schein schreckhaft über’s ganze Land. Nie machten die Verkäufer von Feuerspritzen bessere Geschäfte, als dazumal. Von zuhaus fuhr eines Morgens eine Delegation des Gemeinderates nach Eisenhütte, Colmar-Berg, um eine solche Spritze zu kaufen. Ich glaube, sie brauchte drei Tage, bis sie wieder kam. Ihre Mitglieder erzählten noch Jahre lang von dem Riesenbrand, den sie unterwegs gelöscht hatten.
Die Verbindungen waren damals auf ein Schnekkentempo eingerichtet. Die Meldung von dem großen Band in Fels brauchte drei Tage, bis sie nach Luxemburg gelangte. Am Samstag, 24. Juni 1865, um die Mittagsstunde war das Stadtchen ringeäschert worden, Dienstags, 27. Juni stand eine kurze Vormeldung im „Coureier“, und erst andern Tags folgte der nähere Bericht, zugleich mit einer Zuschrift, die zur Veranstaltung von Konzerten, Theateraufführung und dergleichen zum Besten der Abgebrannten auffordert.
Das Feuer war in der Mittagsstunde, wo alle Einwohner bei Tisch saßen, im Hause des Bäckers Theodor Decker ausgekommen. Auf den sofortigen Alarm hin eilte alles an die Brandstätte. Zur selben Zeit tobte in dem engen Felsenkessel ein Sturmwind der die Funken nach allen Seiten verwehte. Da damals noch zahlreiche Häuser mit Stroh gedeckt waren, fingen die trocknem Dächer wie Zünder und eine Stunde später brannte es an 6, 8 verschiedenen Stellen. Den Loschenden wurde es an manchen Stellen zwischen den flammenden Häusern so heiß, daß sie sich zurückziehen und die brennenden Wohnstätten ihrem Schicksal überlassen mußten. Aus den Nachbardörfern kamen die Einwohner von Mersch, Medernach und Diekirch Feuerwehrabteilungen, auf telegraphischen Hilferuf machte sich auch aus Luxemburg das Pompierkorps Nr. 1 mit seiner Spritze unverdrossen auf den fünf Stunden langen Weg. An der großen Fabrik Bann-Sichel war schon das Dach in Brand geraten, den Arbeitern gelang es mit nassen Tüchern die Flammen zu ersticken. Gegen Mitternacht war man des Feuers Herr, die Merscher und Medernacher Wehren waren heimgefahren, nur die Luxemburger und Diekircher hielten die Feuerwache und beforgten die weitere Ablöschung.
Fast alle mit Ziegeln oder Schiefer gedeckten Häuser waren verschont geblieben, während die Gebäude mit Strohbedachung durch die Bank den Flammen zum Opfer gefallen wären.
Sonntags abends lebte die Feuersbrunst nochmals auf und zerstörte drei weitere Häuser. Im Ganzen waren zirka 75 Häuser mit Scheunen, Stallungen, Schuppen usw. eingeäschert. Die meisten waren bei den Gesellschaften Magdeburg, Propriétatres réunis und Paternelle versichert.
Ein Korrespondent schloß damals eine Zuschrift mit dem Wunsch, daß man von Fels bald sagen könne: Refurrexit!
Der Wunsch ist in Erfüllung gegangen. Fels ist heute eines der saubersten und angenehmsten Landaufenthalte weit und breit. Und zweifellos wird man in kurzer Zeit auch von dem Fremdenzufluß, dessen es sich vor dem Krieg erfreute, dasselbe feststellen dürfen: Resurrexit!