Zu der Plauderei über den großen Brand in Fels hat mir ein Kenner des heimischen Anekdotenschatzes und jener prächtigen kleinen Geschichten, die sich um das Andenken bestimmter Persönlichkeiten weben, einen reizenden Nachtrag geliefert.
Damals war kurz vor dem Brand der Pfarrer von Fels nach Wormeldingen versetzt worden und die Felser waren froh gewesen, ihn los zu sein. Als nun auf die Nachricht von dem großen Unglück, das das betriebsame Städtchen betroffen hatte, überall die Hilfsaktion einsetzte und alle Gemeinden des Landes sich daran beteiligten, schloß Wormeldingen allein sich aus. Und mein Gewährsmann weiß zu sagen, daß der Felser Gemeinderat, als er seinen Dank für die Hilfe allen Gemeinden aussprach, für Wormeldingen keine Ausnahme machte. Denn, sagten die Gemeindeväter, wenn uns die Wormeldinger auch sonst nichts zulieb getan haben, unsern Pastor haben sie uns abgenommen, und damit haben sie den heißen Dank der ganzen Bevölkerung verdient.
Ich kannte den Pfarrer nicht und Du, verehrter Leser, wirst ihn auch wohl nicht gekannt haben, wenn Du nicht zufällig in Fels oder Wormeldingen zuhause und ein älteres Semester bist. Darum erzähle ich zu seiner Charakterisierung den zweiten Teil der Geschichte, die ich meinem Gewährsmann verdanke.
Das war also zur Zeit, wo die Herren Geistlichen noch ihre Kinderlehre in der Schule hielten. Der Pfarrer, der mit dem ersten Buchstaben B. hieß, hatte mit dem Lehrer, dessen Name mit Michel Rodange ansing, ausgemacht, daß immer derjenige von beiden, der nachmittags die letzte Unterrichtsstunde hatte, die Fenster schließen sollte, damit sie bei Sturmwind nicht zuschlügen und die Scheiben zertrümmert würden.
An einem schwülen Sommernachmittag hatte Hochwürden um vier nach der Kinderlehre, mit der es für den Tag Schluß war, vergessen, die Fenster zu schließen. Nachts kam ein fürchterliches Donnerwetter und natürlich flogen am Schulsaal alle Fensterscheiben in Scherben.
Hochwürden, nicht faul, schickte am Morgen ein Schulmädchen zum Herrn Lehrer mit einem Zettel, auf dem geschrieben stand:
„Durch Ihre Schuld sind heute nacht an der Schule alle Fenster zerbrechen.“
Die Unterschrift sehlte.
„Wer schickt das?“ fragte Rodange.
„Der Herr Pastor,“ sagte das Schulmädchen.
Da schrieb Nodange seinen Namen unter die Mitteilung und sprach:
„Eso’ meng Mod, elo dro dem Här Paschto’er den Ziedel erem hannescht.“
Hochwürden Herr B. soll beim Lesen des Zettels nicht das allergescheiteste Gesicht gemacht haben.
Nicht lange darnach bereitete ihm übrigens der Lehrer, der ihn so witzig hineingelegt hatte, die Freude, daß er den Wirkungskreis seiner Seelsorge verließ.
Herr Pfarrer B. soll später, als er von einem heute nicht mehr ganz unbekannten Buch namens „Renert“ von Michel Redange reden hörte, gesagt haben: „Ja, ja, das war dem zuzutrauen!“