Dieses ist eine Geschichte, die nicht übermäßig traurig ist, trotzdem mehrere Tote darin vorkommen.
Sie hat auch eine Moral oder, wenn Sie das lieber haben, eine Nutzanwendung und steht sogar zu den Kammerverhandlungen der letzten Tage in einiger Beziehung.
Sie wurde mir von einer Dame meiner Bekanntschaft erzählt, mit der Bitte, ihr die größtmögliche Verbreitung im Interesse unserer Mitbürger zu geben.
Diese Dame war lange Zeit sehr unglücklich gewesen.
Sie hatte eines Tages die Entdeckung gemacht, daß sie Mäuse in ihrer Wohnung hatte. Sie hörte manchmal des Nachts ein Knistern und Knabbern in der Wand, das nur von massenhaft auftretenden Mäusen herrühren konnte. Das Aufstellen einer Falle hatte das Ergebnis, daß andern Morgens um die Falle herum zahlreiche kleine schwarze Kügelchen auf dem Fußboden lagen, die durch Sachverständige einwandfrei als Verdauungsprodulte einer zahlreichen Mäusefamilie nachgewiesen wurden. Die kleine Vicky sagte, sie verstehe jetzt, warum man eine gewisse Sorte von Zuckerkörnchen „Meiszeckerchen“ nennt.
Von Stund an ging das Bestreben jener Dame dahin, die Mäuse in ihrem Haus zu vertilgen. Sie ließ sich eine ausgedehnte Literatur kommen, einerseits über die Nagetiere im allgemeinen und die Maus im besondern, die Hausmaus, die Feldmaus, die Waldmaus, die Zwergmaus, die Brandmaus, die graue und die weiße Maus, sowie im weiteren die Ratte, die Haus- und Wasserratte, andererseits die Gifte, die im Kampf gegen die Mäuse- und Rattenplage in Betracht kommen, und zwar Gifte, die direkt tödlich, und solche, die nur betäubend wirken. Als Mitglied des Tierschutzvereins hielt es die Dame für ausgeschlossen, daß man ein von Gott gewolltes Lebewesen grausam hinmorden könnte. Sie beabsichtigte, ihren Mausbestand erst zu betäuben, in einen Korb zu packen und weit hinten im Grünewald auszusctzen, am liebsten nachts, damit die Tierchen den Weg nicht zurücksinden könnten.
Allein das Betäubungsgift erwies sich als wirkungslos. Die Mäuse fraßen es, sogar lieber, als den Speck und das Mehl, mit denen die Fallen beködert waren, und sie gediehen dabei zusehends.
Schweren Herzens entschloß sich darauf die Dame, von der Betäubung direkt zur Tötung überzugehen.
Sie meldete erst ihren Austritt beim Tierschutzverein an und kaufte sich in einer Drogerie ein Gift aus einem Topf, der als Etikett einen großen Totenkopf trug. Sie legte abends das Gift in einer Dosis, der kein Pferd widerstanden hätte, und verbrachte eine abscheuliche Nacht mit Träumen und Albdrücken. Am Morgen war das Gift glatt aufgefressen, und tags drauf bewiesen die Mäuse, daß es ihnen nichts geschadet hatte, indem sie der gnädigen Frau in den linken Schuh von einem sunkelnagelneuen Paar von 160 Francs ein talergroßes Loch fraßen.
Sie bekam einen Nervenansall und schwor, jetzt sei ihre Geduld und Tierfreundlichleit erschöpft. Sie suchte lange nach wirksamen Mordmitteln, aber sie fand keine.
Da ließ sie eines Abends ihr Geldtäschchen aus Versehen in der Vorratskammer liegen. Zum Glück war nicht viel drin, ein Einfrancschein und ein Zweifrancschein. Als sie morgens hinauf kam, lagen am Voden der Mausevater, die Mausemutter und sämtliche Mausekinder, sieben an der Zahl, tot, mit gedunsenen Leibern und heraushängenden Zungen.
Neben ihnen ein alter angeknabberter Einfrancschein und ein dito Zweisrancschein.
So endet die Geschichte.
Wenn Sie also ein wirksames Mäuscvergiftungsmittel brauchen, nehmen sie ein luxemburgisches Einoder Zweifrancbillet, das ein paar Monate im Verkchr war. Wollen Sie ein Pferd vergiften, so kochen Sie für fünf Franc solche Scheine aus und geben dem Gaul die Brühe ins Futter.
Und verscharren Sie ihn gleich nach dem Eingehen, so tief wie möglich.