Original

18. Juli 1920

Ein Abgeordneter übte dieser Tage strenge Kritik an den neuen Uniformen unserer bewaffneten Macht. Er sagte, sie glichen „Pompiers“-Uniformen und hätten keine Spur altluxemburger Tradition an sich. Die alte Uniform, ja, das sei ein erhebender Anblick, die sei echt luxemburgisch und das Herz müsse jedem guten Patrioten im Leibe lachen, wenn er unsere wackeren Jungens in dieser gut vaterländischen Kriegertracht vorbeimarschieren sieht. Dagegen die neue, pfui! Halb belgisch, halb amerikanisch - beinahe hätte er auch noch halb englisch gesagt, wenn ein Ganzes überhaupt drei Hälsten hätte.

Man merkt, wir waren nicht im Krieg, sonst wüßten wir, daß die moderne Felduniform das Ergebnis langjähriger praktischer Erfahrungen und gründlichen sachmännischen Studiums ist. Es stellte sich im Krieg heraus, daß der Soldat noch andere Zwecke erfüllt, als bei Prozessionen Spalier zu bilden. Denn der Krieg - sagt jemand im „Golonel Bramble“ - ist ein Handwerk, das zuweilen nicht ohne Gefahr ist.

Unsere alte Uniform soll ein Stück vaterländischer Überlieferung und durch und durch luxemburgisch sein?

Sie denkt ja gar nicht daran. Sie wurde vor beiläufig vierzig Jahren von jemand ersonnen, der zu Holland innigere Beziehungen hatte, als die Allgemeinheit der Luxemburger, und sie sieht der Uniform der holländischen Infanterie zum Verwechseln ähnlich. Sah ihr wenigstens ähnlich, solange der alte König-Großherzog lebte. Als Großherzog Adolf den Thron bestieg, bekamen unsere Soldaten zu ihrer holländischen Uniform die österreichische Topsbedeckung. (Ich bitte den Setzer, den Druckfehler stehen zu lassen, er wirkt zu malerisch.)

Und dieser - ich möchte sagen Maulesel von Uniform, teils Österreicher, teils Holländer, soll ein Stück vaterländischer Überlieferung sein und durch seinen Anblick heimatliche Gefühle erzeugen!

Ein Stück Tradition stak in der alten Jägeruniform, die 1881 den Weg alles Tuches geschickt wurde. Herr Bech@ stellte am Donnerstag vormiltag in der Kammer fest, daß diese Tracht gar nicht so übel war, er hatte recht. Sie sah nach etwas aus. Sie war nach der Jägerei benannt und hatte die Farbe des Waidwerks. Alles, was Jäger heißt, hat Tradition. Mit einigem guten Willen konnte man die Geschichte der luxemburger Jäger auf die St. Sebastiansgilde zurückführen, die 1402, wenn ich nicht irre, in der alten Festung Luxemburg gegründet wurde und deren Mitglieder erst mit der Armbrust, später mit der Hackenbüchse von den Wällen der Stadt herunter nach den Belagerern schossen und Haus und Herd der Einwohner schützen halfen. Sie trugen, soviel ich weiß, eine Zeitlang eine Uniform, in der das Grün ebenfalls mächtig vorherrschte und um die sie ein Kakadu beneidet hätte. Auf die geht die holländisch-österreichische Tracht von heute sicher nicht zurück.

Wenn man Tradition markieren wollte, so hätte man für unser Militär die Uniform der einzigen luxemburgischen Armee wählen müssen, von der die Geschichte zu melden weiß, daß sie als solche im Feuer war. Ich rede natürlich nicht von der Blüte der luxemburger Ritterschaft, die mit Johann dem Blinden bei Crecy oder die in andern Schlachten gefallen ist, wenn die Fürsten damals zu ihrem Privatvergnügen aufeinander schlugen: Ich meine die Klöppelarmee. Es ist mehr als wahrscheinlich, daß die Klöppelkrieger dazumal in Clerf, Dasburg, Daleiden usw. durch die Bank Kittel trugen. Der Kittel ist unstreitig der bequemste Waffenrock, den es gibt. Wenn es verlangt wird, bin ich bereit, den Beweis vor einer militärischen Bekleidungskommission im Einzelnen zu erbringen. Es ist ein Menschenalter her, da trugen viele Vereine im Land die „Schib“ als Uniform, und sahen darin nicht weniger schmuck aus, als heute ihre Söhne und Enkel im „Paltong“.

Zum Schluß möchte ich seierlich dagegen protestieren, daß man unsere neueste Kriegermontur mit einer „Pompiersuniform“ vergleicht, in der Absicht, sie lächerlich zu machen. Unsere Feuerwehren haben sich ihre Uniformen längst schon nach den Prinzipien bauen lassen, die Herr Staatsministor Reuter als maßgebend für die Militärschneidereien sämtlicher Armeen Europas, Amerikas, Asiens und Australiens bezeichnet hat: Einfachheit und Bequemlichkeit. Und wenn in einer Pompiersuniform ein Mann steckt, der gehen und stehen kann, so sieht er mindestens so schneidig und modern aus, wie der smarteste Sammy.

Aber aber!

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    Katalognummer BW-AK-008-1721