Herr Redakteur, jetzt habe ich aber dessen genug mit den Amerikanern, daß wir so froh mit ihnen gewesen sein sollen. Immer und immer bekommen wir das dargestoßen, und es ist schon so lange, daß sie fort sind, daß man nicht einmal mehr weiß, wie ihre Küsse geschmeckt haben.
Ja, daß ihr es wißt, wir waren froh mit ihnen, und ich muß auch einmal sagen, warum das war. Ihr müßt mir es drinsetzen, Herr Redakteur. Auf einen Art war es, weil sie so groß waren, die meisten davon. Gelt, wenn ihr die Amelett gern eßt, dann habt ihr lieber eine große wie eine kleine, und wenn man froh ist mit den Jungen, dann hat man auch lieber ein großer wie ein kleiner.
Und dann denket einmal, nach dem Krieg. Wir saßen ja wie im Prisong. Immer die nämlichen Gesichter. Und Kohlrabi! Wenn ich noch heute Kohlrabi höre, fallen mir die Röcke aus, so mager war ich. Auf einmal sind die Amerikaner mit dem weißen Brot und mit dem Kornbiff und mit dem Schokelett gekommen. Da war es keine Kunst, daß wir sie gern bekommen haben. Und erst wie sie getanzt haben! Das wißt ihr Männer nicht, wie das einem tut.
Aber das alles war es nicht, daß sie groß waren und Schokelett ausgeteilt haben, aber sie sind aus der großen weiten Welt gekommen. Es war auf einmal, wie wenn es in einer Stube dumpfig ist und nach Schweiß und altem Kaffeesatz riecht, und dann macht einer die Fenster auf, daß die frische Luft hereinkommt. Und dann kommt er selber durch das Fenster hereingeklettert und fängt an, Geschichten zu erzählen aus der schönen weiten Welt. Wie die Amerikaner gekommen sind, da haben wir gemeint, das wäre nur in den Büchern und in den Zeitungen und es war auf einmal wahr. Es war alles auf einmal so groß, es war einem, wie wenn man in einem großigen Saal spazieren gehen würde und runderum hängt alles voll Spiegelen und schöne Bilder, und durch die Fenster sieht man auf das Meer und auf eine schöne weiße Stadt und die grünen Wälder dahinter. Ja, so habe ich gemeint wäre es, gradeso. Da bin ich mit den Amerikanern froh geworden, ich weiß selber nicht wie. Zuerst war ich froh mit ihnen allen, und einmal morgens, wie ich durch den Park in die Stadt gegangen bin auf die Schaff, da habe ich immer nur an einen gedacht und da habe ich zu mir gesagt: Du dummes Stück, du wirst doch nicht verliebt sein! Aber ich war gellig verliebt. Und von da ab, wenn ich an die schöne weite Welt gedacht habe, dann stand er immer da und er hat gelacht, daß man links oben ein wenig Gold in seinem Zahn gesehen hat, und er hat mir gewinkt und er hat gesagt, ob ich nicht so kühn wäre. Ihr wißt das nicht, Herr Nedalteur, wie wir junge Mädchen immer an die schöne weite Welt denken. Meint ihr, wir wollten zwischen Gasperich und Dommeldingen und zwischen Hesperingen und Merl vertrocknen? Schaut nur alle, die nach Paris gehen. Nur fort! Und wenn sie auch wissen, daß sie von der rasener Kuh fressen müssen. Dafür ist ja die weite Welt da, daß wir sie sehen, sonst hat sie ja keinen Zweck. Und wir glauben auch noch an den Prinz, der auf einmal kommt, grade wie im Aschenbrüdel. Für uns war jeder Amerikaner ein Prinz. Sie haben ja oft gelogen, daß es gekracht hat. Sie hatten zuhaus vier Automobilen und eine Tabakpflanzung oder eine große Bank, aber wenn sie gemeint haben, das würde uns etwas ausmachen! Und schön waren sie auch nicht alle, aber meiner. Habt Ihr ihn nicht gekannt? Er hat gesagt, ich müßte mit ihm über das große Wasser gehen. Ich habe mich immer gegruschelt, wenn ich auf der Pulvermühl Sonntags als mal mit dem Nachen gesahren bin, aber mit einem lieben Jung, da wäre mir kein Wasser zuviel!
Er hat mir zuletzt von Brest aus geschrieben und seither habe ich nichts mehr von ihm gehört. Wenn sein Schiff seiner Leben untergegangen wäre! Ich habe noch ein Stück Schuing Göm von ihm als Andenken. Jetzt wißt ihr, warum wir sie so gern hatten, und ihr braucht den Geck nicht mehr mit uns zu machen.
Ihre vielgeliebte Triny Tuhstepp.