Nachdem es Monate lang durch die Straßen Luxemburgs munter drauf los gestaubt hatte und wir uns einbilden konnten, es sei doch noch möglich, einigermaßen trocknen Fußes das Weichbild der Stadt zu durchwandern, sind wir jetzt in das Bild „Luxemburg im Dreck“ endgültig eingetreten.
Doch @. Man weiß gar nicht, woher der viele Dreck auf einmal gekommen ist. Denn geschneit und geregnet hat es noch kaum einen Millimeter hoch und die Bauern jammern immer noch über die Trockenheit, an der die Wintersaaten zugrunde gehen könnten, und die „ältesten Leute“ in den Ortschaften, die an einem Wasser liegen, spähen jeden Morgen nach den Hungersteinen im Fluß, ob sie noch nicht bald ihren unheilverkündenden Scheitel aus den Fluten heben.
Seit Menschengedenken herrschte um diese Jahreszeit noch keine solche Trockenheit. Seit drei Monaten war sie noch nicht einmal durch nennenswerte Niederschläge unterbrechen.
Das ging nicht mit rechten Dingen zu.
Heute kann ich Ihnen das Rätsel lösen.
Schuld an der fatalen Trockenheit sind die Amerikaner. Sie haben ihre Dry Laws proklamiert und der Liebe Herrgott hat darauf gesagt: Ich will Euch lehren, mir ins Handwerk pfuschen.
Vor einigen Monaten kam auf der Himmelswiese der hl. Petrus zu einem gewissen Herrn George Fox, der grade mit Herrn Abraham Lincoln einen Verdauungsspaziergang machte.
„Herr Fox, wenn ich nicht irre?“
„Ich heiße George Fox. Was wünschen Sie?“
„Haben Sie nicht die Quäker erfunden?“
„Wenn Sie es so ausdrücken wollen, meinetwegen.“
„Gott Vater wünscht Sie zu sprechen.“
„So so!“ sagte Herr George Fox aufgeregt. „Du entschuldigst, lieber Abraham, aber ich möchte den Herrn nicht warten lassen.“
Als Herr Fox bei Gott Vater eintrat, rauchte dieser grade einen Semois 1911 aus einem dicken Meerschaumkopf und trank dazu ein Schälchen Schwarzen mit einer Fine Champagne 1868.
Er bot Herrn Fox einen Klubsessel aus einer weichen, schwellenden Nachmittagswolke und fragte, ob ihm ein Gläschen Cognac gefällig sei.
Herr Fox wäre vor Schreck aufs Haar aus seinem Klubsessel und direkt in den Atlantischen Ozean gefallen.
Gott Vater lachte leise in sich hinein, daß sich die Fältchen an seinen Augenwinkeln zusammenzogen, und sagte:
„Hören Sie, lieber Oberquäker, das muß anders werden da unten in den Vereinigten Staaten. Jawohl, Sie wissen schon, was ich meine. Sie sind auch Ihr Leben lang so ein trockener Quäker gewesen. Also passen Sie auf, was ich Ihnen zu sagen habe. Dort drunten haben ein paar alte Spinster, die sich an Kaffee und Klatsch den Charakter verdorben hatten, die Country dry geputtet, während die Männer in Europa Krieg führten und Snaps aus Weingläsern tranken. Beide hatten Unrecht. Schnaps will mäßig genossen sein, dann ist er eine Gottesgabe. Prosit! Wollen Sie wirklich keine Fine mittrinken?“
„Ich danke!“ sagte Herr Fox nachdrücklich.
„Ich könnte“ - fuhr Gott Vater fort - „zur Not begreifen, daß sich ein Volk durch eine radikale Maßregel vor dem Schnapsteufel in Sicherheit bringt. Jeder muß wissen, was ihm taugt. Aber daß Ihr Yankees hingeht und das schönste Geschenk, das ich dem Menschen je gemacht habe, in den Boykott tut, daß Ihr den Wein aus dem Leben hinausschaffen und in die Apotheken verbannen wollt, hören Sie, lieber Fox, das mache ich nicht mit. Meinen Sie, ich hätte dem alten Noe den Rebbau beigebracht, damit die Menschheit jahraus jahrein Wasser trinken soll! Meinen Sie, die Christenheit soll meine Feste feiern ohne Begeisterung, ohne Schwung und Wärme, wie die Amerikaner damals in Luxemburg ihren Ball mit Eiswasser? Ich weiß, was ich tue, lieber Fox, und wenn ich der Menschheit in väterlicher Güte und wohlüberlegter Absicht ein Geschenk mache, sollen alte Tanten es nicht wegeskamotieren. Sagen Sie das Ihrem Wilson und den Weisen in Ihrem Hohen Rat: Wenn der trockne Zustand in den Staaten nicht aushört, schneide ich der ganzen Welt das Wasser ab, dann müßt Ihr am Ende doch meinen Wein trinken.“
Also Gott Vater. Und die Strafe ist im Gang. Die Quellen und Flüsse versiegen, die Saaten vertrocknen, es ist kaum noch genug Feuchtigkeit da, damit Luxemburg seinen Ruf als dreckigste Stadt der Welt aufrecht erhalten kann.
Und das alles verdanken wir den Amerikanern!