Original

15. Februar 1923

Die Fastnacht hat uns auch diesmal mit den @sten Eindrücken entlassen. Der nachhaltigste für @ war ..... Doch ich will nicht vorgreifen.

@Wir haben im Kasino alte Freundinnen wieder@hen, aus der Zeit, wo ein Stück Regierung im @en Cercle „beim Gre’tchen“ während des Karne@s Hof hielt und sich leutselig die Champagner@ser von vermummten Holzschnittern austrinken @ Wir haben im Majestic die indiskreten Over@ gesehen, die Furore machten, und die tanzenden @re, die so dicht ineinander geschachtelt waren, daß @ Schweißtropfen zu Boden fallen konnte. Wir @en auch die Kavalkade in Remich gesehen: die @olde auf schweren Schlachtrossen, die Sonntags@rre im Mund und die weißen Strümpfe ihrer @western an den Waden; den Fastnachtsochsen und @nter den Schlachthausdirektor mit blütenfrischer @ßer Schürze; den Erntekranz aus Weinlaub und @uben, der sich mit den Leserinnen im Kreis drehte; @Musik und den Spruch: Miseler Grächen a Miseler @d - Si bekannt am ganze Land; das Häuschen @ Knusperhexe, das Wickinger Schiff, bemannt mit @ männlichen Hoffnung von Remich (nie haben @inchenfelle unternehmungslustigere Jünglings@fe geziert); den Wagen der Caves St. Martin, @ dem ein fröhlicher Kellermeister die schäumenden @her ebenso freigebig in die Menge reichte, wie @erzeit der hl. Martin seine Mantelhälfte dem @ler am Stadttor; den Hexenkessel, in dem je und @in Opfer der besenreitenden Blocksbergtöchter @ber verschwand, unter dem Jubel der dicht@ängten Zuschauermenge; die Fischermusik in @berboots, die an den Einzug der Amerikaner 1918 @nerten; den Fischerwagen, auf dem ein echter @cherkahn, echte Netze und ein echter Pulles zu sehen @en; den Küchenwagen, auf dem die gewichtigsten @reter der bekannten Dynastie Follmer auf @pfendem Herd und im schwimmenden Fett die @türe“ herstellten, die sie berühmt gemacht hat, und @ sie mit vollen Händen ins Volk warfen; den @gen des Prinzen Wilhelm von Wormeldingen, der @mal keine Liköre, aber Musik fabrizierte, so @uschend wie jene; das „Kölner Hänneschen“, @bt und beseelt von dem unverwüstlichen Mohr, @ seine Schuldigkeit bis zum letzten Ende tut und @noch immer nicht nur gehen, sondern wenn es @ muß auch noch tanzen, Klarinette blasen, fischen @ sogar malen kann; den Riesenhumpen der @uerei Funck-Bricher, ein Symbol des Riesen@tes, den es zu bewältigen galt; den pompösen @gen mit dem Thron, auf dem Prinz Karneval @ hielt, umgeben von buntbeflitterten Huldinnen, @einen Füßen sechs junge Mädchen, die kundig die @ten schlugen, als wären sie ein Mandolinenklub; @er, Volk, Filmkurbler, Herrn Lucien Klopp im @inder und rotgesäumten Gehrock und den Kirchen@eizer in rotem Gala, den es in der Vesper nicht @r gelitten hatte und der sich, den Stab in der @d und ein gütiges Lächeln in den strengen Zügen, @ der Kirchentreppe unter die Zuschauer mischte, @ Buntheit des Bildes durch einen lebhaften @benfleck bereichernd.

@as alles und noch viel mehr haben wir in den @nachtstagen gesehen. Aber nichts hat mir einen @iefen Eindruck gemacht, wie der brave, stille Ochse, @ zu Remich im Fastnachtszug mitschritt, ein Bild @ Kraft und Gesundheit. Ganz sicher war er aus @er Ochsenfamilie, die zu den besten Geschlechtern @ Landes gehört. Hä@e man ihn nach seinen @nschen gefragt, so wäre er zweifellos am liebsten @ Altersschwäche gestorben. Und so: Am selben @nd sollte er geschlachtet und zerstückelt werden, im @en Ochsenmannesalter gewaltsam das Zeitliche @en.

@ieser Ochse also schritt im Narrenzug, stoisch, @m, ich kann wohl sagen verachtend, Musik hinten @ Musik dorn und Narretei rundum. Ihm ging es @t in die Nerven. Er dachte ganz sicher: Was fällt @n denen ein, bei diesen miserabeln Zeiten! Wir @ere sind doch bessere Ochsen!

@nd dabei wußte er gar nicht, was ihm blühte, sonst @e er den Balladendichtern von Remich und Um@end Stoff zu einem Heldensang gegeben: Der @ ist los! Seht Ihr die Panik in der Menge, wenn @ durchgegangen wäre, die Gelegenheiten zu @ourtaten! Aber der Ochs hatte keine Ahnung, @ es ihm nachher direkt an den Kragen gehen @de. Das war es, das war die öchslich ergreifende Tragik des Moments. Wenn es unter den Ochsen auch Dichter gäbe, ich bin überzeugt, dieser Remicher Fastnachtsochse bliebe nicht unbesungen. Und den Professoren, die um ein Thema für einen zeitgemäßen deutschen Aufsatz verlegen sind, empfehle ich zum Schluß dieses: Gedanken eines Ochsen, der auf dem Umweg über einen Fastnachtzug zur Schlachtbank geführt wird.

TAGS
    Katalognummer BW-AK-011-2338