Früher sprach man vom Wetter. Heute spricht man von der Ruhr. Grade so selbstverständlich, aber viel aufgeregter.
Warum nur? Die Ruhrbesetzung lag in der Luft, wie die Witterung. Sie ergab sich aus der Lage so naturnotwendig, wie Niederschläge aus dem Tiefdruck.
Der Depressionskern ist hier nicht, wie es immer heißt, im Friedensvertrag von Versailles zu suchen. Er liegt in der Rede, in der von den Lippen des deutschen Reichskanzlers das verhängnisvolle Wort: „Not kennt kein Gebot“ gefallen ist, und in jenem Gespräch mit dem englischen Gesandten, in dem das noch unheilvollere Wort vom „Fetzen Papier“ geprägt wurde.
Damit, und mit dem Einfall in Belgien und Luxemburg waren Treu und Glauben zwischen den Völkern - jedenfalls wenn dabei das deutsche Volk mit in Betracht kam - auf unabsehbare Zeit hinaus zerstört.
Nach der Zangengeburt des unausgetragenen Friedensengels ergab sich also diese Lage: Frankreich, dessen ertragreichstes Gebiet. zerstört, zum Teil mutwillig und böswillig zerstört war, steht einem unversehrten Deutschland gegenüber und will von ihm seine Kriegsentschädigung haben. Deutschland hofft auf den Zerfall der Entente und sucht eine Ausflucht nach der andern. Die weiter gesippten Alliierten, die fern vom Schuß sind und außerdem mit Deutschland Geschäfte machen möchten, sehen die Lage durch eine ganz andere Brille, als Frankreich. Ihre Haltung bestärkt Deutschland in seiner Hoffnung auf die Isolierung des Hauptfeindes, der ihm am dichtesten auf dem Nacken sitzt. Es bietet statt Geld neue Verträge, darunter am Vorabend der Pariser Konferenz den Friedensgarantievertrag auf dreißig Jahre.
Gebranntes Kind scheut das Feuer. Während Amerika und England das deutsche Angebot ernst zu nehmen schienen, wurde es von Poincaré sehr skeptisch zu den übrigen gelegt.
Zuletzt blieb nur das derbe Zufassen übrig.
Man hört nicht oft genug betonen, daß das Scheitern aller Vermittlungsversuche auf das Mißtrauen zurückzuführen ist, das jene zynische Verhöhnung des Rechts bei Ausbruch des Krieges gegen Deutschland wecken mußte.
Vergebens sugt heute die aus der Umwälzung in Deutschland hervorgegangene Regierung: Wir Wilde sind doch bessere Menschen, wir können nichts für die Mentalität und die Missetaten des alten Regimes. Man merkt zu deutlich, daß die wahren Machthaber des alten Regimes immer noch am Ruder sitzen, dieselben, die während des Krieges schon das Plateau von Briey, das Becken von Longwy, Luxemburg und Belgien einverleibt und ein Frankreich der Zukunft zurechtgemacht hatten, das als Macht dritten oder vierten Ranges eine Art Operettendasein geführt hätte. Sie, die früher hinter dem bunten Wandschirm Wilhelm II. agiert hatten, agieren heute hinter dem sarblosen Vorhang der Berliner Regierung und kochen ihre Suppen auf dem Feuer der Volksseele.
Die französischen Gegner der Ruhrbesetzung verzeichnen mit Betrübnis und die deutschen Patrioten mit leuchtenden Augen, daß der Druck des Feindes alle Teile des deutschen Volks wieder zusammen- geschweißt hat. Als ob nicht schon von Anb@ ganze Deutschland unter der Losung: Nicht @ fest und treu zusammen gestanden hätte! @ braucht man die Manen Stein’s und Fichte’s@ nicht zu bemühen.
Das stärkste Argument gegen die Ruh@ dasjenige, das zumal im neutralen Aus@ stärksten zu wirken vermag, ist der Hin@ angebliche imperialistische Tendenzen und A@ gelüste in Paris. Daß sie in einzelnen Köpfe@ leugnet kein Sehender. Aber dann sind sie @ der zweideutigen deutschen Politik hoch@ Frankreich als Ganzes des Imperialismus @ Eroberungsgier zeihen, ist barer Unsinn.
Dagegen ist es bezeichnend, wenn in der @ Presse höhnisch immer wieder zum Ausdr@ welche Angst doch Frankreich vor den Deutsch@ müsse. Wer beim Gegner Angst voraussetzt, @ stark und wartet nur auf den günstigen A@ seine Stärke zu gebrauchen. Wessen sich als@ Franzosen zu versehen hätten, wissen sie @ letzten deutschen Kriegszielen her, die, sol@ Partie für ihre Feinde günstig stand, @ wünschenswerten Deutlichkeit in der deutsch@ besprochen wurden. Wenn sie sich also v@ es keine Angst, sondern Selbsterhaltungstri@
Das Unheil der Lage kommt, wie gesagt, @ Grundsätzen, die von berufener deutscher @ die Grundsätze deutscher Kriegführung @ wurden. Das einzige Mittel, sich zu reh@ bestand im Zahlen. Und die dies Mittel a@ sich weigerten, sind die Hauptträger der @ der jene Grundsätze entsprangen.
Nicht das Zahlen aber war das Wichtigste@ die Herstellung des gegenseitigen Vertrau@ daß dies versäumt wurde, ist der verhän@ Fehler, der sich, wie jener andere, an den@ muß, die ihn begangen haben.