Folgender Aufruf verdient aus verschiedenen Gründen niedriger gehängt zu werden:
„Aufruf!
„Dringe hinaus, Schrei eines geknechteten und entrechteten Volkes! Dringe hinaus über die engen Grenzen deines Landes! Wecke und rüttle wach alle, die noch deutsch fühlen und deutsch denken können! Deutschland ringt im Todeskampf um seine letzte Existenzmöglichkeit.
„Die Franzosen haben das Ruhrgebiet besetzt.
„Die letzte deutsche Kraftquelle steht vor dem Untergange! Doch diese härteste und schwerste Prüfung, sie hat das deutsche Volk, wie noch nie zuvor, zu einer Einheit zusammengeschweißt. Eins ist das deutsche Volk in seiner Abwehr gegen den Vernichtungswillen Frankreichs! Und nahm man uns auch das Schwert aus der Hand, so blieben uns doch die geistigen Waffen, so blieb uns doch der Wille, uns selbst zu behaupten!
„Aus dieser Erkenntnis heraus hat die Studentenschaft der Technischen Hochschule zu Darmstadt auf einer vom Lehrkörper und der Studentenschaft sehr zahlreich besuchten Versammlung beschlossen, sich zur Hilfeleistung jeder Art der Reichsregierung zur Verfügung zu stellen, und vor allem einen Pressedienst im Einvernehmen mit der gesamten deutschen Studentenschaft zu organisieren, der das wahre Gesicht der französischen und belgischen Gewalt- und Raubpolitik dem In- und Auslande zeigen soll.
„Wir wissen es, daß unsere Mittel gegenüber dieser gewaltigen Aufgabe gering sind, doch wo ein Wille ist, da ist auch ein Weg!
„An Euch, deutsche Vorposten im Auslande, richten wir die Bitte: Verbreitet die Nachrichten, die wir Euch zusenden werden! Sorgt dafür, daß ein jedes deutsche Blatt im Auslande unsere Aufsätze druckt! Übersetzt diese Aufsätze in die örtlichen Landessprachen, soweit wir sie Euch nicht schon in der Übersetzung zusenden, und sorgt, daß unsere Nachrichten in allen Euch zugänglichen Blättern und Zeitschriften erscheinen! Die Presse ist die einzige Waffe, die man uns Deutschen gelassen hat. Wir müssen und werden sie gebrauchen und sind gewiß, daß Ihr uns helfen werdet!
„Mitten im Frieden sind französisch-belgische Truppen, gestützt auf Tanks, Kanonen und Bajonette, in das Ruhrgebiet eingefallen! Schon sind deutsche Bürger und deutsche Beamten, die treu zu ihrer Regierung standen, verhaftet und ausgewiesen worden. Schon ist deutsches Blut geflossen, Blut, das bisher ungesühnt geblieben! Frankreich a@ nicht mehr seine im Vertrage von Versailles@ Unterschrift! Es hatte bei seinem Diktat@ eines vergessen. Seine Industrie brau@ Englischer Koks ist zu teuer, mit englisch@ wäre die französische Industrie auf dem W@ nicht konkurrenzfähig!
„„Doch deutscher Koks, der kostet ja ni@ durch einen Spaziergang an die Ruhr könn@ stilliegenden französischen Hochöfen wieder@ gesetzt werden, und französischer Chauvini@ friedigt werden. Deutschland ist macht- und@ und muß sich fügen!““
„Nein! Wir fügen uns nicht!
„Wir wollen unser Recht! Wir wo@ Lebensmöglichkeit! Zerstört man uns diese le@ den wir in ein unentwirrbares Chaos ge@ werden die Völker und Länder Europas m@ Strudel gerissen. Heute hat die Welt zwische@ und Recht zu wählen.
„Hört uns, Völker der alten und neuen W@ Ihr nicht mit uns in den Abgrund, vor dem @ heute steht, stürzen wollt.
„Darmstadt, im Januar 1923.
„Ausschuß der Studentenschaft, Aus@Ruhrarbeit, Anton Eikeln. - gez.: @Rektor der Technischen Hochschul@Man mag im Ausland mit dem deuts@ sympathisteren, das im Krieg hinters Lich@ wurde und dem es nach dem Krieg nicht @ ergeht. Aber es mutet einen im Ausland do@ bar an, wenn man in so unsagbar plump@ von Deutschen in Anspruch genommen wird@ „die engen Grenzen ihres Landes hin@ Deutschland Sympathien werben wollen@ Luxemburg speziell müssen Vieles, Vieles @ ehe wir dazu kommen, Mitleid mit den O@ deutschen Politik von gestern und heute, @ den Mächlern dieser Politik zu empfinden. @ aber deshalb „deutsch fühlen und deutsch @ sollen, wie es dieser Aufruf voraussetzt, @ Zumutung, die den Darmstädter Studenten @ selbstverständlich erscheint, die aber auße@ deutschen Grenzen als eine gelinde gesagt @ empfunden werden muß. Was würden sie @ stadt sagen, wenn aus der Türkei ein @ Aufruf erginge an alle Mitteleuropäer, @ türkisch fühlen und denken können“! Ist @ Traum, daß an deutschem Wesen alles gene@ immer noch nicht ausgeträumt? Wenn D@ als weltlich politisches Gegenstück zur K@ Kirche ein alleinseligmachendes Vaterland @ Völker werden will, muß es vor allen Dinge@ lernen, wie es gemacht wird. Wenn sie von @ immer mit Knüppeln dreingeschlagen hätte@ Darmstädter Studentenschaft, so wäre der@ pfennig bald gezählt. Vorläufig haben wi@ halb der deutschen Grenzen noch unsere eigen@ länder und fühlen und denken dementsprech@
Dieser Aufruf kommt aus derselben l@ Verstocktheit, wie die Handlungsweise @ener@ Studenten, von denen Annette Kolb hier vo@ Tagen erzählte und die in italienischen Hä@ ihnen Gastfreundschaft gewährten, Spottliede@ Italiener und heldische deutsche Schlachtenl@ dem letzten Krieg sangen.