Original

4. November 1923

Ich erhalte folgenden Brief, für dessen Echtheit und wortwörtliche Wiedergabe ich bürge:

„P. P. - Da ich nun gerade heute aus Zeitvertreib einmal ein Blick in den Abreißkalender der Luxemburger Zeitung tue, sehe ich das darin so über uns deutsche Mädchen her gehalten wird. Als ein deutsches Mädchen wage ich es nun dem Einsender dieses Artikels ein paar Worte darauf zu erwiedern. Es ist ja wahr das daß Land voll von deutschen Dienstmädchen ist, aber warum sollen an den sieben Türen wo der Mann mit den Hasenfellen war und unfreundlich abgewiesen wurde, gerade alles deutsche Mädchen gewesen sein, und warum sollen die unfreundlicher sein als die Mädchen hier im Lande. Wir sind unsern Pflichten, und daß wir freundlich erscheinen müßen so gut bewußt wie alle andern. Viele von uns kommen auch noch als Begleiterscheinung der Valuta so gut wie die Luxemburgermädchen im selben Sinne ins Ausland gehen und da noch zwei oft dreimal soviel verdienen wie hier im Lande. Wenn nun so eine deutsche Perle bloß acht oder vierzehn Tagen auf einer Stelle ist, damit ist nicht gesagt das daß bloß an den Mädchen gelegen ist. es geben auch Luxemburger Mädchen die es da nicht länger aushalten, glänzt nun eine Perle nicht gerade wie sie glänzen soll, so werden aber auch gerade alle Mädchen mit in Betracht gezogen. Ich für meine Person bin schon über Jahresfrist bei meiner Herrschaft und habe bis heute noch keinen Hausschlüssel verlangt werde aber auch in Zukunft noch kein Verlangen danach haben, es geben noch viele Perlen hier die schon jahrelang bei Ihrer Herrschaften sind, die werden wohl auch noch kein Verlangen nach einen Hausschlüssel gehabt haben. Wenn nun der Herr oder die Dame da meint, es würden im Jahre 6000 Perlen hier kleben bleiben das wäre ja in den fünf Jahren nach dem Kriege allein 30000 da würde das Luxemburgerland doch zu klein für sein für die all zubeschäftigen. Soll sich nun so eine Perle in eine Luxemburger Kette einreihen lassen ist das denn schlimm es kann doch nicht jedes Mädchen seinen Vetter heiraten. Kain ging auch in ein anders Land und suchte sich dort ein Weib. Es ist uns auch nicht leicht unsere Heimat zu verlassen, und im Ausland unser Brot zu verdienen, ich muß es offen gestehen mir ist es doppelt schwer gefallen, denn ich bin aus einer sehr lustigen Gegend am Rhein daheim, und trotzdem noch kein Verlangen nach dem Hausschlüssel gehabt. Aber deshalb haben wir dort frohen Mut und sehen allem getrost entgegen wenn wir auch so schief von der Seite als ein Preuß angesehen werden das macht nichts. Wir haben schon so viel durchgemacht und geben auch für so ein leißes Spötteln in der Zeitung nichts. - Eine die nie den Mut verliert.“

Sehr geehrtes Fräulein!

Wenn Sie noch so eine wissen, so lassen Sie sie ausschellen, sie wird mit Gold aufgewogen.

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    Katalognummer BW-AK-011-2499