Auf der Our-Brücke im Biewelser Loch skehen zwei Männer. Der eine davon hält eine Stange mit einem Flügelrad am untern Ende ins Wasser, der andere macht Notizen in ein Taschenbuch.
Ourtalsperre, natürlich. Wassermessung.
Ob sie denn bald zu bauen anfangen, frage ich den einen mit dem Tiroler Hut und dem Gamsbart darauf.
„Am 1. Mai wird mit dem Bau des Werkes I bei Stolzemburg begonnen.“
„So so?“
„Jawoll. Es sind da noch ein paar Kinderkrankheiten zu überwinden, selbstverständlich, aber die werden eben überwunden.“
Nun wußte ich Bescheid. Also am 1. Mai wird angefangen.
Mich bedünkt, diese Talsperre hat schon vor der Zeit viele Geister, überschwemmt. Viele fangen, wenn sie darüber nachdenken, am verkehrten Ende an.
Worum handelt es sich?
Irgendeine Gruppierung von deutschen Privatinteressen hat ausgerechnet, daß es für sie von großem Vorteil wäre, sämtliche Wasserkraft zu beiden Seiten der Our, also aus dem Preußischen und aus dem Luxemburgischen, in einem Staubecken zu sammeln und damit Kraft für einen bestimmten deutschen Industriebezirk zu erzeugen.
Drehen wir den Fall einen Augenblick um und denken wir, die luxemburgische Metallindustrie habe den Plan gefaßt und im vorhinein über das deutsche Flußgebiet links der Our verfügt. Und die Luxemburger wollten heute dekretieren: Am 1. Mai fangen wir zu bauen an! Ohne daß deutscherseits offiziell zu dem Projekt Stellung genommen worden wäre!
Bevor der Stauweiher gebaut werden kann, müssen die Leute, deren Grund und Boden vom Wasser auf ewige Zeiten verschlungen werden soll, enteignet werden, wenn sie ihren Besitz nicht gutwillig hergeben.
Die Zwangsenteignung ist unserer Verfassung nach nur möglich, wenn es sich um ein Werk öffentlichen Nutzens handelt.
Ob dies der Fall ist, muß von der Regierung entschieden werden.
Bis jetzt ist von einem solchen Entscheid nichts verlantet.
Bevor er fällt, ist gewissenhaft zu überlegen, ob die Ourtalsperre für unser Land ein Werk öffentlichen Nutzens ist.
Es ist zu bedenken, ob wir wohl daran tun, alle Wasserkraft im Norden unseres Landes unwiderruflich in die Hände eines ausländischen Privatunternehmens zu geben.
Es ist zu bedenken, daß bei drohender Kriegegefahr diese Wasserkraft und die staatlichen und privaten Gerechtsamen, auf die wir „im öffentlich luxemburgischen Interesse“ verzichtet haben, im Dienst jenes großindustriellen Privatunternehmens zu Kriegsrüstungen verwandt werden.
Es muß zu denken geben, daß die deutsche P@ schon jetzt gegen eventuelle Vorteile, die auf @ burgischer Seite von der Ausführung der Tal@ erhofft werden, laut protestiert. („Trier, La@ zeitung“ in Sachen der Bahn nach Vianden.)
Was speziell die Zukunft von Vianden betrifft, @ könnte es kommen, daß der landschaftliche Reiz @ großen Stausees eine Verschiebung des Frem@ verkehrs nach der Stolzemburger Seite hervorri@ Auf ein paar neue Hotels und Villen an den U@ des Sees käme es nicht an und Vianden hätte @ Nachsehen.
Freilich: Wo so gewaltige wirtschaftliche W@ konzentriert werden, entsteht ein Herd von Anreg@ und Befruchtung für das ganze wirtschaftliche Leb@ Aber es muß genau festgestellt werden, ob für @ Vorteile die Nachteile aufwiegen.
Es könnte sein, daß wir mit dem Rockzipfel in @ Räderwerk kämen, das uns ganz zermalmen @
Ist das eine das andere wert?