Wir waren kürzlich Zeugen eines beachtenswerten Versuches, der gemacht wurde, die Reklamemöglichkeiten des Films für unser Land auszunutzen.
Es war eine Leistung, zu der die Anreger wie die Darbieter unbedingt zu beglückwünschen waren.
Seither ist es davon still geworden. Hat der Luxemburger Film seinen Rundgang durch Europa angetreten, sind die Schönheiten unserer Heimat schon irgendwo im Ausland über die Leinwand gegangen? Das müßten sie aber doch, soll der Film seinen Zweck erfüllen.
Ob wohl der dünne Handlungsfaden, der hindurch läuft, genügen wird, die Kinobesitzer anzulocken? Die Gleichgültigkeit des Publikums gegen reine Naturaufnahmen ist bekannt, nicht einmal das großartige Schauspiel einer Mount Everest-Expedition würde genügen, einen Kinosaal zu füllen, wenn nicht dahinter der Jakobsbrunnen käme.
Aus diesem Film können und sollen wir lernen, wie der Film beschaffen sein müßte, der den Ruf unserer landschaftlichen Eigenart durch die Welt tragen könnte.
Pierre Benoit hat seinen Roman „Le Puits de Jacob“ sicher nicht geschrieben, um Reklame für das gelobte Land Kanaan, für die heiligen Stätten von Jerusalem und Nazareth, für Konstantinopel und Alexandrien zu machen. Aber er legte ihn so an, daß sich eine Handlung voll Spannung und Romantik auf einem landschaftlich und historisch interessanten Hintergrund abwickelte und somit alles für einen Superfilm Wünschenswerte da war. Denn daß der Roman fürs Kino geschrieben wurde, ist selbstverständlich. Wer den Jakobsbrunnen sieht, fühlt in sich eine unbändige Lust, alle diese Städte und Stätten zu besuchen, in diesen Straßen, die mit Geschichte bis an den Rand gefüllt sind, zwischen Gestalten einherzugehen, die aus einem vergangenen Jahrtausend heraus einen antreten, die Bibel, die er als Kind gelernt, mit Menschen, Schafen, Eseln, Kamelen und allem Zubehör um sich lebendig werden zu sehen.
Palästina allein hätte ihn nicht gereizt, aber da es ihm als Hintergrund einer ultramodernen Handlung hinten herum beigebracht wird, läßt er es auf sich wirken und merkt nachher, daß ihm die stärksten Eindrücke von der Landschaft, nicht von der Handlung geblieben sind.
Einen ähnlichen Film bräuchten wir für, Luxemburg. Wie meinen Sie? Es ginge nicht? Konkurrenz mit Morgenland unmöglich?
Haben Sie eine Ahnung von den unabsehbaren - ich sage nicht Möglichkeiten, nein, Wahrscheinlichkeiten, die für einen Filmroman voll fiebernder Spannung im Innern unferes Ländchens vorhanden wären? Eine Vermengselung sagenhafter Geschichte mit aufregender Gegenwart, Melusina, Yolanda, Sprung von der Neuen Brücke, Geldschmuggel, Falschmünzerei in den Kasematten von Luxemburg oder verlassenen Erzstollen, internationale Verschwörerromantik, eine Handlung voll Schurken- und Heldentum, deren Schauplatz von den Hüttenwerken im Süden über Vianden nach Clerf in die Benediktinerabtei und Gott weiß wohin reicht, voll dramatischer Höhepunkte, bei denen das Gruseln durch den Saal läuft - es brodelt und zischt nur so vor lauter malerischem Geschehen.
Freilich, zum Bau eines solchen Scenarios gehört allerlei: Es muß einer das Land kennen und wissen, wohin er jeden Auftritt situiert, es muß einer Phantasie haben und Handwerk und die Mechanik des Dramas und noch allerlei, was nicht jedem gegeben ist.
Wer wagt es, Rittersmann oder Knapp?