Also da haben wir es wieder!
Jedesmal, wenn unsereins sich um das Land verdient machen will, fährt einem so ein verständnisloser Korrektor mit seinem dummen Stift dazwischen. Das nennen sie dann Beckmesser, wie ich mich wiederholt überzeugen konnte.
Es kam so. In der letzten Sitzung des Luxemburger Gemeinderates stand Frau Becker auf und verlangte die Anstellung von Krankenpflegerinnen.
Das war ja so weit ganz in der Ordnung und ich habe beileibe nichts dagegen. Kranke sollen gepflegt werden, womöglich von zarter Frauenhand.
Aber ich frage Sie: Wer ist heutzutage kränker, als der Franken? Jeden Morgen lesen wir in der Zeitung, daß sein Puls wieder schwächer geworden ist, und daß der Dollar und das Pfund und die Mark an seinem Krankenlager stehen und sich heimtückisch darüber freuen, wie seine Nase immer spitzer wird. Das nennen sie dann facies hippocratica.
Sonstwo setzen sie in solchem Fall eine sogenannte Frankenstützungsaktion in Szene. Aber erstens kostet das Millionen und Milliarden, und die haben wir nicht so ohne weiters liegen.
Zweitens ist der kranke Franken nicht unser Franken und nicht unser Kranker. Wir haben uns nicht um seine Heilung zu bemühen, sonst wären wir Belgien gegenüber sozusagen wegen unbefugter Ausübung der Heilkunst strafbar.
Was ist da zu tun?
Mir kam, während ich im Gemeinderatsbericht jenen Antrag der Frau Becker durch die Setzmaschine rasseln ließ, ein genialer Einfall. Wie, wenn man da einen operativen Eingriff durch einen Druckfehler vornähme? Druckfehler haben schon in zahlreichen Fällen großen Segen gestiftet. Also konstruieren wir flugs einen Druckfehler!
Gesagt getan.
Frau Becker hatte gesagt: Wie steht es denn mit der von mir schon längst geforderten Anstellung von Krankenpflegerinnen?
Und was tat ich?
Ich machte kurz entschlossen aus den Krankenpflegerinnen Frankenpflegerinnen.
Ich muß Ihnen gestehen, Herr Redakteur, ich freute mich die ganze Nacht über meinen luminösen Einfall. Der Erfolg konnte nicht ausbleiben. Ich war gespannt auf die Wirkung, die mein rettender Druckfehler in der Öffentlichkeit auslösen würde.
Denken Sie sich meine Entrüstung, als ich andern Morgens die Korrektur in Händen hielt und feststellte, daß mein folgenschweres F unerbittlich durchstrichen und durch das banale K ersetzt war.
Ich gab es auf.
Gegen das Unverständnis eines Korrektors kämpfen Götter selbst vergebens. Soll man sich über solches Banausentum nicht ärgern, Herr Redakteur? Wenn jahraus jahrein so unzählige wirklich blödsinnige Druckfehler stehen bleiben, so hätte man diesen, von dem Wohl und Wehe unserer Valuta abhängen konnten, auch ruhig können stehen und sich auswirken lassen. Aber nein, so ein Besserwisser, der kein Verständnis für die Sachlage hat, macht meinen ganzen schönen Plan zunichte.
Na, mir kann’s recht sein. Ich pflege meine paar Franken selber. Ich setze sie möglichst rasch in eßtrinkbare Wertobjekte um dann mag ein anderer mit betrübter Miene an ihr Krankenbett stellen mit dem Fieberthermometer in der Hand.
Aber sagen Sie selber, Herr Redakteur, war meine Idee nicht großartig? Was sind die gerissensten Bankiers gegen meine Frankenpflegerinnen? Warum werden überhaupt Frauen in der Krankenpflege vorgezogen? Weil sie Geschick im Umgang mit geschwächten Organismen haben. Der Franken müßte schon in Mark getroffen sein, wenn ihn eine richtige Frankenpflegerin nicht hoch brächte.
Also rücken Sie es ein, Herr Redakteur.
Hochachtungsyoll!Ignaz Rappeltipper,Maschinensetzer.