Dies ist ganz ausschließlich für Sie geschriebe@ meine Damen!
Sie kennen den „Bazar“, die Berliner Mo@ zeitschrift.
Sie wurde vor 70 Jahren von Ludwig von Sch@ Voit gegründet.
Jetzt hat die Bazar-Aktien-Gesellschaft Berlin@ dem schönsten Material aus den vorliegenden @ Jahresbänden des „Bazar“ zur Jahrhundertfeier @ Gründung des Börsenvereins der deutschen B@ händler in Leipzig einen Prachtband als Kant@ Festgabe zusammengestellt, und von diesem Band @ hier die Rede sein.
Es gilt als ausgemacht, daß ernste Männer @ mangelhaft gewachsene Frauen über die Mode @ Nase rümpfen. Sie haben Unrecht. In der Vor@ zu jener Festschrift sagt es ihnen der Herausg@ Max von Boehn in treffenden und eindringli@ Worten.
„Die Mode bildet einen wichtigen Bestandteil @ menschlichen Kulturgeschichte. Es gibt Menschen, @ zwar meistens solche, die sich selbst als ernst empfind@ die die Mode mit einem verächtlichen Lächeln als @ zufällige Angelegenheit, als ein Gewebe und Ge@ aus Frauenlaunen betrachten. Nichts heißt das W@ der Mode schwerer verkennen. Die Frau regiert @ wegs die Mode, sie kann nur, je nach ihrer Quali@ innerhalb der Mode regieren. Die Frau zwingt @ die Mode, sondern die Mode zwingt die Frau. Zwi@ sie, sich in einer bestimmten Weise zu kleiden und @ tragen, die nicht in dem Belieben der einzelnen @ steht, sondern tief irgendwo in der gesa@ Kultur der Epoche verwurzelt ist.“ - Und weite@
„Mode im weitesten Sinne ist eigentlich die g@ äußere. Erscheinung der gesamten gesellschaftli@ Kultur eines Zeitalters. In ihr sammelt sich die @ der Formen einer Zeit. Ob das Zeitalter zu stre@ Zurückhaltung oder zu nachgiebiger Freiheit, ob@ zu Athen oder Spacta neigte, vermag uns @ Gewandfalte zu verraien. Eine Lockenfrisur kann @ Aus@unst darüber geben, ob man in dieser Zeit@ Griechen oder das Mittelalter liebte.“
Also wenn Sie, meine Damen, einmal recht @ pünftiges ausgiebig und formschön über die @ lesen wollen, halten Sie sich an diese Festgab@ „Bazar“.
Sie sagt Ihnen auch, wo die Modetracht @ Wesen nach „irgendwo in der gesamten Ku@ Epoche verwurzelt ist“. Durch die siebzig Jahn@ 1854 herauf führt Sie dieses Buch an Hand @ reichen, vortrefflichen Bildermaterials und zeigt, @ die Mode jeweilig mit der Zeit innig zusammen@ Vielleicht könnte für die Frauenmode von heute @ gestern stärker der Einfluß des Automobils beton@ Denn ihm verdanken Sie in der Hauptsache nicht @ die Hutform, sondern auch die Beq@emlichkeit @ Kleides ohne Taillenschluß.
Es ist oben auch von der Mode in Hinsicht a@ Griechen die Rede. Rockschnitt und Frisur n@ zuweilen griechische Allüren an. Aber wie wä@ wenn man den Spieß umdrehte und die Griechi@ des klassischen Altertums auf die Europamoden@ heute verwiese? Gab es im alten Griechenland @ Damenschneider und Putzmacherinnen und Fr@ die alle paar Jahre die Mode umkrompelten? @ wie kostbares Kulturdokument der Jubiläumsband@ „Bazar“ ist, wird einem klar, wenn man sich vor@ wir besäßen eine ähnliche Schrift aus dem Zeit@ des Perikles.
Jede Mode ist schön, aber nur, solange sie he@ Beim Durchblättern des „Bazar“-Bandes fragt @ sich entsetzt, wie es möglich war. daß sich @ Mütter und Großmütter in diese grotesken H@ stecken konnten. Und wir wünschen uns Glück daz@ unsere Frauen und Töchter endlich zur Standard@ ihres Äußern durchgesunden haben, grade wie @ das Fahrrad durch allerhand Tastversuche hi@ bei einem endgültigen Rahmenbau als dem @ struktivsten und zweckmäßigsten stehen gebliebe@ Die heutige Frauentracht ist konstruktiv und @ mäßig, und Sie, meine Damen, sollen energisch @ sorgen, daß Sie endlich sich von der Tyranne@ Mode befreien und sich dauernd so anziehen, @ Ihnen bequem ist. Und wie wir es schön find@ wenn Sie auch darauf Wert legen.