Original

1. Mai 1926

In einer der letzten „Bewertungen“ war von Taylorismus, Fayolismus, Fordismus die Rede.

So verschieden die drei Methoden sind, sie bezwecken dasselbe: Maximum.

Maximum des Nutzeffekts, höchste Ausnutzung der Arbeitskraft, Minimum der Kraftvergeudung.

In einem Wort: Flucht aus dem Dilettantismus, Wegtrainieren des Fettes der Unbeholfenheit und der Überflüssigkeit.

Du glaubst, gehen zu können, bist vielleicht stolz auf deinen Gang. Du bist ein Dilettant im Gehen gegen die Künstler, die auf den Kasernenhöfen und in den Tanzsälen aller Kulturländer ausgebildet werden. Sieh dir einen Rekruten an, dem von Korporal und Unteroffizier die Hammelbeine nach Noten grade gezogen sind. Er macht beim Gehen keine Bewegung, die überflüssig ist, er macht nur die Bewegungen, denen der höchste Nutzeffekt entspricht, die aber ausgiebig. Und darum gibt es eine Ästhetik des Gehens, denn sichtbare Zweckmäßigkeit ist ein ästhetisches Element erster Ordnung.

Die drei eingangs erwähnten Ismen gehören hauptsächlich in den Bereich materieller Betätigung oder ihrer Ausnutzung.

Aber das Leben wird durch materielle Tätigkeit erst an zweiter Stelle gemeistert. Der eigentliche Antrieb liegt im Denkapparat.

Denken ist eine ebenso natürliche Funktion, wie gehen. Und wie im Gehen die meisten Menschen Dilettanten. Autodidakten sind, so auch im Denken. In bestimmten Richtungen freilich ist der Apparat längst sorgfältig eingeschient, auf Geleise gestellt. Man spricht dann von wissenschaftlichem Denken.

Aber im alltäglichen Denken, das mit den tausend wechselnden Facetten des Lebens zu tun hat, da schwärmt der Geist unmethodisch aus und leistet sich die größte Krastvergeudung. Der ärgste Feind des Denkens ist der Gedanke, der auf Anhieb entspringt und wie ein schlecht gearbeiteter Vorstehhund auf falschen Fährten jagt.

Also das Denken will gelernt sein, so gut wie Gehen, wie Schlittschuhlaufen, wie Klavierspielen und Tennis.

Nun gab es bis jetzt keine Denklehrer und keine Handbücher, aus denen man das Denken lernen konnte.

Dem Mangel ist jetzt abgeholsen. In der Franthschen Verlagshandlung in Stuttgart erscheint soeben das erste Heft des „Denksport, eine Zeitschrift für geistig Regsame“, herausgegeben von Ministerialrat Dr. med. Alfred Beyer, Berlin.

Die Franth’sche Verlagshandlung hat sich durch geschickte und ersolgreiche Popularisierung des Wissens auf allen Gebieten einen solchen Namen gemacht, daß man auch diesmal vertrauensvoll mitgehen kann. In diesem Vertrauen bestärkt den Leser der Inhalt des ersten Heftes. Die „geistig Negsamen“, die es lesen, werden daraus lebhaste Anregung schöpfen, denn es vibriert mit tausend Saiten, die an das warme Leben angespannt sind.

Man darf diese Anregungen zum Denken nicht mit der Aufforderung zum Raten vergleichen. Beim Raten sind die Aufgaben ganz andere. Das Denkvermögen wird beim Raten auf eine bestimmte Fährte gesetzt - im Denksport ist das ganze Feld frei und offen und die Fährte muß erst gefunden werden. Darin gleichen diese Ausgaben denen, die das Leben stellt. Aber bevor es zur Stellung von Denkaufgaben kommt, sagen der Herausgeber und seine Mitarbeiter, wie es gemeint ist: „Vom Wesen des Denksports“ - „Denksport und Film“ - „Logik und Urteil“ usw. usw. Dann enthält das Heft sechzehn neue Aufgaben, an denen der Leser seine Denlkraft üben soll, wie der Boxer seine Schlagsertigkeit am Punching-Ball trainiert. Du wirst sehen, wenn du das Heft in die Hand genommen hast, bist du in seinem Bann. Und du hast das Bewußtsein, daß du dein Gehirn nicht unnütz auf Siedehitze bringst, daß es sich da wirklich und tatsächlich um das Einschleisen von Denkgeleisen handelt, die dir Umwege und Kraftvergeudung ersparen werden.

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    Katalognummer BW-AK-014-3169