In Bütburg standen zwei Männer am Straßenrand plaudernd beisammen.
Der eine konnte ein Bierbrauer sein. Einer, der ein gutes, gehaltvolles Vorkriegsbier braute, das er selber trank und von dem er die feiste Gutmütigkeit in seinem ganzen Wesen hatte. Nicht alle Bierbrauer trinten ihr Bier selber. Sie haben Unrecht. Im übrigen steht es gar nicht fest, daß jener gutmütig feiste Mann ein Bierbrauer war. Es bleibt nur soviel übrig, daß er ganz sicher keiner Fliege etwas zuleide tun kann.
Der andere sah aus, wie ein Patriarch. Während der erste glatt rasiert war, also daß sein Antlitz aussah wie ein srisch gemähter Wiesenflur, ohne Hinterhalt, ohne Geheimnis, trug der andere einen wallenden Vollbart, der nach unten bis unter seine beiden Brustwarzen reichte, nach oben in dünnen Ausläufern bis an die Backenknochen hinausstieg, sowie Fichten und Föhren bis in die Bergregionen hinauf gedeihen, wo sie nur noch als flache Laatschen am Boden kriechen.
Der Vollbart war immer das Symbol einer ernsten Lebensauffassung, weil einer vollkommenen Männlichkeit. Dieser Mann sah ernst, aber auch gütig aus. In seinem Habitus prägte sich der altpreußische Landstürmerspruch aus: Immer langsam voran! Langsam und würdevoll. Die Seele dieses Mannes stand in ihm ganz sicher mit fortwährend mahnend erhobenem Zeigefinger und sagte: Brav, Kinder, brav!
Auch er konnte sonder Zweifel keiner Fliege etwas zuleide tun.
In Reims waren auch zwei Männer im Gespräch.
Der eine lehnte zu einem Waggonsenster heraus, der andere stand auf dem Bahnsteig und redete zu dem ersten hinauf. Dabei blickte er ihn von unten an mit einem Paar so treuer blauer Augen, daß es rührend war zu sehen. Seine Augen waren so blau, wie die Tinte, die eben aus meiner Füllfeder fließt. Ein inbrünstiges, dunkles Blau, vor dem sogar das Vergißmeinnicht erblaßt. Und so treue waren die Augen wie die eines Jagdhundes, der Dir die Schnauze auf den Schoß legt und Dich in @ Hoffnung anblickt, während Du den Knochen@ Kalbskoteletts abknabberst.
Auch dieser Mann konnte offenbar und zwei@ keiner Fliege etwas zuleide tun, wie übrigens @ sein Freund nicht, mit dem er sich unterhielt, bis @ Zug abfuhr. Beide waren Eisenbahnarbeiter, der @ auf der Fahrt nachhaus, der andere beim Antri@ Schicht.
In diesem Augenblick ging ein Bahnhofbeamte@ Uniform vorüber.
Auch ex sah aus, als ob er keiner Fliege@ zuleide tun könnte. Sein linker Ärmel war leer @ steckte unten in der Seitentasche seines Rocks.
Von der andern Seite kam ein anderer Bah@ angestellter, der im Stirnknochen eine faustg@ Höhle trug.
Auch er sah aus, als ob er usw. siehe oben.
Auf einmal änderte sich das Bild.
Ich sah diese sechs Männer, die allesamt k@ Fliege etwas zuleid tun konnten - ich sah sie @ pulverrauchgeschwärzten Gesichtern, weit aufgeriss@ Mündern, haß- und angsterfüllten Augen, in @ einen Hand eine geladene Flinte, in der andern @ Handgranate, aus einem Schützengraben he@ brechen und auf einander losstürzen.
Das ist das Unheimliche, daß man jenseits un@ Grenze von jedem Mann um die Dreißig anne@ muß, daß er einmal schon, da die Welt von@ sinn besallen war. Mitmenschen getötet hat und @ knapper Not dem Tod durch die Hand eines @ menschen entronnen ist.
Wir Wilde sind doch bessere Menschen.